Dagmar Wyka

SlippedDee, eine Frau die weiß wie Männer ticken: Hinter dem Pseudonym steckt die Wiener Zeichnerin Dagmar Wyka. Dee zeichnet Boys Love Mangas, daher weiß sie zumindest in ihren Geschichten was Männerherzen so alles beschäftigt. Wir dürfen euch hier ein großes Talent der heimischen Szene vorstellen und Dee stellt auf der COMIX ihren neuen Manga „Rosa Strumpfhosen und ein [Tütü]“ vor. Wir haben sie anlässlich der Vienna COMIX 2022 interviewt.

Dee zeichnet Boys Love Mangas, daher weiß sie zumindest in ihren Geschichten was Männerherzen so alles beschäftigt. Wir dürfen euch hier ein großes Talent der heimischen Szene vorstellen und Dee stellt auf der COMIX ihren neuen Manga „Rosa Strumpfhosen und ein [Tütü]“ vor.

War Zeichnen für dich immer ein Hobby oder hast du dir einmal bewusst vorgenommen „ich will jetzt zeichnen lernen“?

Ich habe viele Mangas in meinem Leben gelesen. Oft waren tolle Geschichten dabei, aber geendet haben sie nie so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Ich glaube, das war so der springende Punkt, dass ich gesagt habe, ich möchte meine eigenen Geschichten zeichnen. Ich glaube, das war mit ca. 15 oder 16. Im Gegensatz zu anderen Zeichner*innen, die in dem Alter schon auf einem professionellen Level Kunst machen, war es doch relativ spät. Für ein Kunststudium hat es damals noch nicht gereicht. 😉

Wodurch hast du die besten Fortschritte gemacht (Zeichenkurse, mit anderen zeichnen,…)?

Definitiv Zeichnen mit anderen. Da habe ich viele neue Aspekte gelernt, die ich so nie bedacht hatte. Ich wünschte, ich könnte das öfters tun, weil ich keine Zeichenausbildung habe. Ein paar Zeichenkurse an der Uni waren aber schon drinnen. 😉

Was hat dich zum Manga Zeichnen gebracht, wieso nicht Disney-Style oder klassische Superheld*innen?

Ich kann mich erinnern, dass mich der Stil als Kind einfach angesprochen hat. ich wusste damals nicht, dass es einen kollektiven Begriff dafür gibt, wie ‘Anime’ oder ‘Manga’. Das Medium ‘Manga’ kann auch Emotionen am stärksten rüberbringen, allein durch die Bandbreite an Darstellungsmethoden. Ich mag schwarz/weiße Comics auch lieber. Bunt ist manchmal zu überladen.

Du hast schon mehrere eigene Mangas herausgebracht, die im Genre Boys Love spielen. Also sehr vereinfacht gesagt, Liebesromane mit schwulen Männern in den Hauptrollen. Diese Mangas werden aber mehrheitlich von Frauen gelesen. Worin besteht die Faszination?

Gelinde gesagt: Ich weiß es nicht. Es ist ein Phänomen, das viele Leserinnen trifft. Eine Erklärung gibt es mehrere. Manchen macht es einfach Spaß, für andere ist es ein Ventil zu ihrer Sexualität, andere wiederum können Romanzen genießen, ohne sich selbst mit der Hauptfigur unterbewusst zu vergleichen oder in eine bestimmte Rolle gezwängt zu werden.

Die dargestellten Männer sind meistens schon sehr gut aussehende Idealtypen. Was ist hier jetzt der Unterschied zu von Männern gezeichneten „Ideal-Klischee-Frauen“?

Ich verurteile niemanden, der ästhetisch geprägt ist und so seinen ‘Idealmenschen’ darstellen will. Also für mich macht es keinen Unterschied. Ich kann aber die Kritik nachvollziehen. Die Body-Positivity-Bewegung ist z.B. daraus entstanden. Ich persönlich finde sie wichtig speziell für Menschen, die sich nie bis kaum in Medien wiedererkennen aber dadurch eine Nische bekommen.

Zur Vienna COMIX bringst du deinen druckfrischen neuen Manga mit „Rosa Strumpfhosen und ein [Tütü]“ Wie lange hast du daran gearbeitet?

Ja! Und ich freue mich sehr drauf J Das Grundgerüst zur Story ist eigentlich schon sehr alt. Erste Ideen hatte ich 2004. Mit dem Band habe ich schon 2016 angefangen und nach 20 Seiten musste ich aus mehreren Gründen eine Pause einlegen. Letztes Jahr im Sommer habe ich wieder begonnen daran zu zeichnen. Es sind 96 Seiten geworden und ich kann immer noch nicht glauben, dass ich den ersten Band in Händen halte.

Ist die Story eher als leichte Unterhaltung gedacht oder stellt man seine eigene Beziehung nach dem Lesen vielleicht in Frage, weil darin so viele Denkanstöße zu finden sind?

Es ist absolut als leichte Unterhaltung einzustufen. Ich hoffe, es bringt meine Leser*innen zum Lachen, denn ich spiele sehr gerne mit Klischees und Stereotypen aus Mangas und Boys Love allgemein. Ich überziehe sie gern, aber nicht ins Lächerliche. Es ist liebevoll gemeint.

Du hast deinen Zeichenstil verändert und bist von Manga mehr in Richtung Superhelden und europäischen Stil gegangen. Wodurch hat sich das ergeben?

Ich habe eine Zeit lang Aktzeichenkurse besucht und wollte mein Wissen in meine Comiczeichnerei einfließen lassen. Irgendwie hat sich dadurch mein Stil angepasst und war auch hilfreich für ASH. Natürlich haben mich auch die Superheldenverfilmungen der letzten 10 Jahre geprägt und Freunde, die vermehrt westliche Comics gelesen haben. Diese Phase hatte ich auch.   

Entwickelst du deine Comics ganz alleine oder hast du Kolleg*innen die dich unterstützen?

Ich mache es ganz unprofessionell und zeichne aus dem Bauch heraus. Meistens. Aber Tütü ist so komplex geworden, dass ich doch strichpunktartig meine Ideen aufgeschrieben habe, weil ich Teile nicht vergessen wollte. Ich frage auch niemanden nach seiner Meinung, außer es sind technische Aspekte, wie Layout, Dialoge, Anatomie, Schriftarten. etc. Ich habe mit zwei Freundinnen einen Zeichenzirkel namens CLUBSANDWICH gegründet. Mit den beiden tausche ich mich regelmäßig aus.

Du arbeitest als Architektin, nimmst du die Geradlinigkeit aus deinem Beruf mit ins Comiczeichnen oder genießt du beim Erschaffen eines neuen Comics die künstlerischen Freiheiten und das Fehlen jeglicher Ö-Normen für Mangas.

Hahahaha! Ich komme mit Regeln gut klar. Sie geben eine Struktur vor. Man muss nicht von Null anfangen und man hat nur einen begrenzten Freiraum, in dem man sich bewegen kann. Ich mag diese Challenge. Beim Manga ist es natürlich freier, aber auch ein Manga hat Regeln. Trotzdem genieße ich es zur Abwechslung Menschen und ihre Gefühle darzustellen.

Was zeichnest du in deinen Comics nicht gerne (Fahrräder, Häuser, Tiere,….) ?

Unordnung … auch das muss geplant werden. Locations, die ich mir selbst ausdenken muss. Das ist anstrengend. 

Du gehörst ja auch zum erweiterten Team von ASH (Austrian Super Heros), welche Veränderungen hast du in den letzten Jahren, in der Österreichischen Comic-Szene wahrgenommen?

Schwer zu sagen: Ich war davor eigentlich nicht wirklich in der österreichischen Comic-Szene aktiv, deshalb kann ich nicht sagen, ob sich was verändert hat. Ein genereller Aspekt ist mir allerdings aufgefallen. Comics werden immer mehr zum Mainstream. Es ist mittlerweile nicht mehr ‘seltsam’. Die Bandbreite hat sich auch geändert. Früher waren nur Karikaturen und Zeitungs-Strips das einzig Wahre.

Hat das Comic zeichnen dich in deinem Beruf irgendwie beeinflusst oder eher umgekehrt?

Eher umgekehrt. Ich kann viele Aspekte aus meinem Berufsleben in meine Mangas einfließen lassen. Z.B. hab ich eine größere Bandbreite an Software, die ich nutzen kann. CAD-Programme, 3D-Programme, etc.

Was sind deine Schlussfolgerungen aus den letzten beiden Jahren?

Man sollte nichts auf später verschieben und das tun, was man will und für richtig hält. Es ist auch wichtig, Menschen zu haben, die einem in schweren Zeiten beistehen und sie schätzen lernen. Sie sind nicht selbstverständlich.

Außerdem verfliegt die Zeit verdammt schnell. 

Wordrap!

Die Vienna COMIX wird … ka b’soffene G’schicht.

Harry Potter oder Prinz Harry … Hauptsache Brexit.

Almhütte oder Strandhaus … Chalet oder Bungalow

Planung ist … die ganze Miete.

Männer sind auch nur … von der Erde und nicht vom Mars.

Ein echter Virus … geht nicht unter.

Mangas lese ich … vorm Schlafengehen.

Am besten zeichne ich, wenn … ich zufrieden bin.

Japan ist … kurios.