Darko Macan

Darko Macan – Der Tausendsassa aus Zagreb. Vermutlich haben viele von euch schon etwas von ihm gelesen, ohne es zu wissen. Er schreibt für den serbischen und kroatischen Sci-Fi & Comic-Markt. Man kennt seine Geschichten noch aus der Gespenstergeschichten-Zeit, aber auch von Donald Duck, dem Lustigen Taschenbuch, Star Wars, Captain America, Hellblazer, Sandman & vor allem: Darke Horses GRENDEL Tales – Devils & Deaths! Und natürlich die neue Splitter-Alben-Serie: MARSHAL BASS!

Wir haben den Stargast Darko Macan anlässlich der Vienna COMIX 2022 interviewt.

Wodurch bist du Autor geworden? Du hast ja auch gezeichnet (und zeichnest immer noch ein wenig), war es dein Wunsch oder haben sich andere dich als Autor gewünscht und du bist so in diese Rolle gewachsen?

Ich war nie ein so guter Künstler, wie ich sein wollte, also begann ich allmählich für Leute zu schreiben, die besser zeichnen als ich. Ich bin glücklicher, wenn ich zeichne, aber ich bin ein besserer Autor als Künstler.

Was sind deine ersten Schritte in der Vorbereitung auf einen neuen Comic?  

Panik und Terror, während ich darauf warte, dass es „klickt“. Sobald ein erstes Bild passt und die Charaktere ihre Stimmen finden, wird es einfacher, aber es ist nie ganz einfach.

Kommen Comic-Zeichner*innen zu dir und sagen einfach: „Bitte Darko schreibe mir eine Story, egal welches Genre!“

Ja, aber man sollte nie auf solche Anfragen hören. Die Zeichner*innen fragen dich und kehren dann doch zu den Jobs zurück, für die sie Geld bekommen. Es ist viel besser (und viel seltener), wenn Verlage mit der gleichen Frage klopfen. Wie auch immer, meistens muss man selber klopfen.

Bist du lieber alleine für den Inhalt verantwortlich oder freut es dich, wenn Zeichner*innen, Herausgeber*innen etc. Ideen einbringen?

Ich bevorzuge es für das Thema, das Tempo, den Dialog, usw., der Geschichte verantwortlich zu sein. Der/die Künstler*in ist dann so ziemlich allein für die Grafik verantwortlich und je weniger der Herausgeber involviert ist, desto besser.

Hast du die Story immer schon ganz fertig, wenn die Zeichner*innen beginnen zu zeichnen?

Selten. Bei den längeren Werken habe ich normalerweise das erste Buch/Kapitel fertig, der Rest geht zügig voran.

Du hast in deiner Karriere einige Stadien der technischen Entwicklung mitmachen dürfen: Handschrift, Schreibmaschine, PC, Tablet, etc. Wenn du dir vorstellst heute eine Story per Hand zu schreiben? Wie arbeitest du am liebsten?

Der erste Entwurf jeden Skripts besteht aus den schnellen handgezeichneten Skizzen der Seiten, nur ein paar Zeilen und einigen Schlüsselwörtern aus dem Dialog, fast wie ein stenografischer Ansatz. Daran kann ich sehen, ob der Comic funktioniert. Dann schreibe ich erst das vollständige Skript. Die Humor-Comics sind eine Ausnahme, für die mache ich die kompletten Storyboards.

Welche Comics liest du selbst gerne?

Die lustigen…

Hast du ein Ideen-Notiz-Heft für unterwegs, so wie manche Zeichner*innen schnell Skizzen machen, wenn sie was Interessantes im Alltag sehen?

Ich habe eine halbe Milliarde Zettel mit kryptischen Wörtern und Phrasen herumliegen. Das sind angeblich Ideen, aber normalerweise schreibe ich etwas ganz anderes.

Wieviel Einfluss hast du auf die bildliche Umsetzung? Machst du so was wie ein Storyboard beim Film und gibst grundlegende Vorgaben zu Landschaften, Charakteren, etc.?

Ich beschreibe die Stimmung, Handlungen und Emotionen. Ich gehe nur dann auf bestimmte visuelle Details ein, wenn dies von entscheidender Bedeutung ist, beispielsweise wenn neue Charaktere oder Rahmen eingeführt werden. Diese sind fast immer vage genug, damit Künstler*innen sie so interpretieren können, wie es ihnen am besten passt.

Kommt es vor, dass sich Autoren-Kolleg*innen gegenseitig um Rat fragen, wie man eine Story weiterführen oder auflösen könnte?

Sicher. Immer wenn ein Autor feststeckt, wird er um Rat fragen und diesen dann vollständig ignorieren.

Wie geht es dir damit, auf Termine hinarbeiten zu müssen?

Meinst du Fristen oder redaktionelle Anweisungen? Beide sind in Ordnung, weil sie deinen Fokus einschränken und dir helfen zu produzieren. Aus dem gleichen Grund sind aber beide auch frustrierend.

Arbeitest du auch manchmal an mehreren Geschichten gleichzeitig? Wird man da dann leicht verrückt? :0)

Immer. Es hält die Dinge interessant. Es trägt auch zu einer gesunden Dosis Chaos bei.

Bei Splitter erscheint aktuell dein Comic „Marshal Bass“. Der Story-Held ist ein als Sklave geborener Mann, der zum ersten schwarzen Sheriff Amerikas wird. Wieviel ist historisch belegt und wieviel deiner Fantasie zu verdanken?

Nun, deine Beschreibung deckt so ziemlich alle bekannten historischen Fakten ab, sodass alles andere, insbesondere die Handlung, vollständig erfunden ist. Marschall Bass ist eine historische Fiktion.

Bist du froh, dass heute in vielen Genres, die grundlegenden Geschichten schon geschrieben sind und man sich daher spezielleren Themen und Inhalten widmen kann. Die Leser*innen haben heute schon ein gewisses Fachwissen, was sicher auch fordernd ist, gefällt dir das?

Es geht nicht um Vorlieben oder Abneigungen … Ich versuche etwas anderes zu schreiben, hauptsächlich um mich zu amüsieren und ich hoffe, es gibt ein Publikum, das die gleichen Dinge amüsant findet. Manchmal funktioniert es, manchmal funktioniert es nicht so gut, wie ich es gerne hätte.

Würdest du auch gerne Drehbücher für Filme schreiben?

Sag niemals nie, aber aktiv verfolge ich diese Richtung nicht. Die kreative Kontrolle ist bei Comics höher, obwohl, ja, das Budget ist bei Filmen größer.

Wenn Österreich in einem deiner Comics vorkommen müsste, was fällt dir da spontan dazu ein, was würdest du einbauen: Schauplatz/Epoche/ Mehlspeisen?

Ich war einmal in einem Schneesturm außerhalb von Klagenfurt eingeschlossen, das könnte eines Tages zu einem Comic werden … Historisch gesehen interessiert mich die Zeit des österreichisch-ungarischen Reiches wegen der Verbindungen zum Balkan.

Viele Leser*innen im deutschsprachigen Raum kennen dich und deine Geschichten vielleicht aus den alten „Gespenster Geschichten“ – Comic-Büchern – wie erinnerst du dich an diese Zeit, wie kam es damals zu diesen Jobs?

Die Erinnerungen sind gut. Es war mein erstes internationales Engagement, öffnete mir einige Türen und brachte Verbindungen. Es fühlte sich wirklich gut an zu arbeiten und dafür bezahlt zu werden, aber da es sich um Agenturarbeit handelte, war die Kommunikation nie perfekt. Insgesamt bin ich aber dankbar für die Chance.

Du hast viel für US-Verlage gearbeitet und machst jetzt mehr für den französischen Markt – gibt es einen großen Unterschied?

Der größte Unterschied liegt in der Produktionsgeschwindigkeit: hektisch in den USA, etwas entspannter in Frankreich. Ansonsten gibt es keine großen Unterschiede, das Publikum in beiden Märkten hat eigene Erwartungen und mag keine Überraschungen, was die Frustration der Autor*innen auf allen Kontinenten gleich macht.

Gibt es Titel, die du in Österreich oder Deutschland veröffentlichen möchtest? Etwas, was die Leser hier unbedingt lesen sollten?

Einige meiner Favoriten habe ich für den kroatischen oder serbischen Markt gemacht: La Bete Noire mit Milan Jovanović, Svebor und Plamena oder Martine Moon mit Goran Sudzuka, The Broken Universe mit Vujadin Radovanović und eine Reihe von Comics und Büchern für Kinder … Die würde ich gerne überall übersetzt sehen, aber sie passen selten in die Verlagsnischen, das wäre ein harter Kampf.

Irgendwelche Tipps für angehende Schriftsteller*innen?

Ja, erwartet, dass sich alles, was ihr über dieses Geschäft wisst, zu jedem Zeitpunkt verändert, und seid bereit euch mit zu verändern.

Was sind deine Schlussfolgerungen aus den letzten beiden Jahren?

Conclusions are for suckers oder Schlussfolgerungen sind für Schwätzer!

Wordrap!

Die Vienna COMIX wird … dem Coronavirus zum Opfer fallen?

Dein(e) Lieblingsschriftsteller … bei Comics, Alan Moore.

Donald oder Yoda … Donald (Duck nicht Trump).

Haustiere sind … verwöhnt

Urlaub wird … selten

Leere Seiten machen mich … ich hätschle und verwöhne sie mit Worten und Geschichten

Graphik Novels sind … ein dummer Begriff

Star Wars oder Italo Western … Der Mandalorianer kombiniert beides

Das Beste am Autorendasein ist … arbeiten mit den Füßen auf dem Schreibtisch