Joscha Sauer & Haiko Hörnig

Joscha Sauer und Haiko Hörnig. PressefotoAuf nichtlustig.de veröffentlicht Joscha Sauer den Großteil seiner Cartoons frei zugänglich. Mittlerweile gibt es sechs Nichtlustig-Bücher. Über die neue Trickfilmserie mit Haiko Hörnig erzählen die beiden am COMIX Panel (Sa+So, Termin laut Aushang vor Ort, 2.Stock / Show Room). Interview 

Anlässlich der Vienna COMIX 2017 haben wir ein Gespräch mit dem in Frankfurt lebenden Cartoonisten Joscha Sauer geführt. Das Interview führte Marion Ziegelwanger und ist in Ausschnitten im Programmheft nachzulesen.

 

 

Vienna COMIX / MZ: Wie viel von dir steckt in den wiederkehrenden Figuren von NICHTLUSTIG? (z.B. Lemminge, Yetis, Tod & Pudel)

Joscha Sauer: Das kann man selbst ja immer schlecht beurteilen. Aber vermutlich sind das schon alles kleine Teile von mir. Ich hoffe, die Lemminge sind kein zu großer Teil.

Hast du eine Lieblingsfigur?

Joscha Sauer: Nein, das ist die Frage nach dem Lieblingskind. Ich finde, die funktionieren als kleine Zirkustruppe ganz gut zusammen.

Angeblich ist „Zurück in die Zukunft“ (die Uhren stehen immer auf 10.04 Uhr) dein Lieblingsfilm? Gibt es einen neueren, der dich ebenso fasziniert?

Joscha Sauer: Nicht wirklich. Natürlich gibt es immer wieder Filme, die ich fantastisch und inspirierend finde, aber „Zurück in die Zukunft“ hat da schon nen besonderen Platz in meinem Herzen. Da vermischt sich die normale Begeisterung zusätzlich mit Nostalgie. Das ist schwer zu toppen…

Wie hast du das Zeichnen für dich entdeckt?

Joscha Sauer: Wirklich entdecken kann man das ja nicht nennen. Anders als andere Kinder hab ich halt nie mit dem Zeichnen aufgehört. Es gab natürlich auch Zeiten in meinem Leben, in denen ich weniger gezeichnet habe, aber es hat mich immer begleitet.

Hast du eine spezielle Zeichenausbildung oder bist du Autodidakt?

Joscha Sauer: Nein, weder Studium noch Ausbildung. Ich hab mich da alleine reingewurschtelt.

Hast du ein Vorbild unter den Zeichner*innen weltweit?

Joscha Sauer: Auch nicht wirklich. Es gibt zwar Zeichner und Autoren, die ich mag, aber Vorbilder gibt es da konkret keine. Das liegt vermutlich auch daran, dass ich lange Zeit mehr vom Medium Film fasziniert war und die Cartoonisten-Karriere eher ein Unfall war…

Was würdest du einem jungen Menschen raten, der Cartoonist oder Zeichner werden will?

Joscha Sauer: Leider nur die sehr plump klingende Floskel: Machen. Viel machen und Sachen fertig machen. Alles andere kann man nur bedingt beeinflussen. Aber man sollte selbst versuchen, an der Arbeit und den Resultaten Spaß zu haben. Alles andere entwickelt sich dann von selbst. Oder eben nicht.

Wie viele Stunden pro Tag sitzt du am Zeichentisch?

Joscha Sauer: Momentan fast gar nicht. Da wir seit knapp drei Jahren die NICHTLUSTIG-Trickfilmserie produzieren, komme ich eher weniger zum Zeichnen. Dafür muss ich viele Sachen korrigieren, mit Animatoren reden und mir über das ausufernde Budget den Kopf zerbrechen.

Woher kommen die Ideen für deine Geschichten?

Joscha Sauer: Die sind einfach da. Das ganze funktioniert ja andersrum. Man hat ohnehin die Tendenz, sich Quatsch auszudenken und wählt dann einen Beruf, zu dem das passt. Aber durch Routine wird man besser darin, Ideen zu konkretisieren und schneller zu sehen, ob sie etwas taugen oder nicht.

Was findest du persönlich lustig / nicht lustig?

Joscha Sauer: Vieles. Auf beiden Seiten. Aber da gibt es keine konkreten Regeln. Ich denke, dass alles lustig sein kann. Es ist immer eine Frage von Kontext und Stil.

Hat dich der Erfolg der Kickstarter-Kampagne (Crowdfunding) für die Nichtlustig-Trickfilmserie überrascht?

Joscha Sauer: Nicht komplett. Wir haben das ganze ja sehr lange vorbereitet und ich hab das ganze erst öffentlich gemacht, als ich mir der Sache sehr sicher war. Natürlich bleiben immer Restzweifel und ich hätte nicht damit gerechnet, dass wir gleich am ersten Tag die 100.000 Euro knacken. Aber ich war sehr zuversichtlich, dass es eine Menge toller NICHTLUSTIG-Fans gibt, die gerne eine Trickfilmserie sehen würden. Ich bin gespannt, wie die Reaktionen sind, wenn wir die komplette Serie fertig haben.

Wo und wann hast du Haiko Hörnig kennengelernt?

Joscha Sauer: Haiko ist eine Party-Bekanntschaft! Wir haben uns auf der Geburtstagsfeier eines befreundeten Comiczeichners kennengelernt und gemerkt, dass wir humormäßig auf einer Wellenlänge liegen. Als ich kurze Zeit später Unterstützung für NICHTLUSTIG gesucht habe, war Haiko die erste Wahl. Ich hab vorher nie direkt an NICHTLUSTIG mit jemandem zusammen gearbeitet, aber habe es keinen Tag bereut. Haiko hat ne Menge neuer Ideen reingebracht und die Trickfilmserie ist durch ihn um einiges lustiger und besser geworden.

Wie kam es zur Idee eines Podcasts mit Haiko Hörnig („Peinliches Schweigen“)?

Joscha Sauer: Das war Haikos Idee. Wir hören beide gerne Podcasts, auch wenn das für mich seltener möglich ist, weil ich mein Gehör meist zum Arbeiten brauche. Weil es kaum deutsche Podcasts gab, die wir interessant fanden, haben wir irgendwann beschlossen, dass die Gespräche, die wir beim Mittagessen führen, im Grunde auch ein Podcast sein könnten. Daraus hat sich dann „Peinliches Schweigen“ entwickelt. Momentan machen wir damit zwar eine Pause, weil ich neben der Trickfilmproduktion einfach keine Energie hatte, auch noch einen Podcast zu machen, aber nächstes Jahr machen wir wahrscheinlich weiter…

Wordrap!
Die Vienna COMIX wird…
vermutlich wieder in Wien sein.

Wien ist…
da, wo die Vienna Comix immer stattfindet, glaub ich.

Mit Haiko Hörnig mache ich…
die schönsten Seifenblasen.

Tod oder Pudel?
Hoffentlich sehr lange Pudel. Dann noch länger Tod.

Ohne Plutonium wäre…
Marty McFly auf dem Parkplatz erschossen worden.

(Interview Joscha Sauer von Marion Ziegelwanger / Vienna COMIX, 2017)