Rainer F. Engel

Der „morbide Meister des Schreckens“, der deutsche Zeichner Rainer F. Engel (Website) bewegt sich im klassischen Horror. „Captain Berlin“ ist der Superheld und hat im ersten Band Adolf Hitler zum Gegner. Weissblech Comics bringen Rainer F. Engel auf die Vienna COMIX 2016. Anwesend: Beide Tage durchgehend, m.Pausen 

 

 

Anlässlich der Vienna COMIX 2016 haben wir ein Gespräch mit dem Master of Horror geführt. Das Interview führte Marion Ziegelwanger und ist in Ausschnitten im Programmheft nachzulesen. 

Woher kommt deine Vorliebe für Horror und Trash?

Rainer F. Engel: Disney, Asterix und Lurchi. Besonders die frühen Lurchi-Geschichten mit ihren sehr düsteren Elementen, haben mich sehr beeindruckt. Später entdeckte ich Gespenster-Geschichten, Batman und Superman und schließlich Jack Kirby und Marvel Comics. Zwischendrin noch eine gesunde Diät aus Godzilla Filmen, Star Wars und anderen Perlen des pädagogisch fragwürdigen Unterhaltungsfilms.

Comics: Schmutz und Schund? Wie siehst du das für dein Werk?

Ich bestehe darauf. Schmutz und Schund ist ein integraler Bestandteil guter Comics. Der Comic war von Anfang an ein Unterhaltungsmedium. Meist trivial, aber doch auch anspruchsvoll, raffiniert, komisch und fantasievoll. Die Qualität der Zeichnungen schwankt zwischen dilettantisch und virtuos. Comickünstler sind die verschmähten Stiefkinder der Kunstgeschichte. Zeit, dass sich das ändert.

Wo siehst du deine Grenzen: Was würdest du nicht zeichnen oder schreiben?

Nichts mit Pferden und (zu vielen) Autos. Ist mir zu anstrengend. Also eine Comic-Adaption von „Ben Hur“ ist von mir eher nicht zu erwarten.

Warum hast du mit Captain Berlin das Horror-Genre verlassen?

Glücklicher Zufall. Jörg Buttgereit bat mich, das Plakat zu seinem Theaterstück „Captain Berlin vs. Hitler“ zu gestalten. Wir wählten ein Motiv im Stil eines klassischen Golden Age Comic-Covers, mit Anleihen an Jack Kirby und Captain America. Später kam ein 8-Seiten Comicbooklet für die DVD-Veröffentlichung von „Captain Berlin vs. Hitler“ dazu. Diese Geschichte war vier Jahre später dann Bestandteil eines „Captain Berlin“ One-Shot Heftes bei Weissblech Comics, ergänzt um eine weitere Story von Martin Trafford aus Australien. Das Heft ist – nun in der dritten Auflage – immer noch erhältlich. Und es sind bereits fünf weitere erschienen.

Auf Amazon hat jemand deine Comics als niveauvollen Trash bezeichnet: ein Widerspruch?

Das ist wieder eine Frage für Comicexperten. Persönlich schmeichelt mir der Gedanke, so etwas vielleicht erreicht zu haben. Aber das sollen die Leser beurteilen.

Seit wann zeichnest du?

Seit meinem zweiten Lebensjahr. Mit 13 Jahren hatte ich mich dann mit dem Zeichnen und Malen ernsthaft beschäftigt.

Hast du eine spezielle Ausbildung?

Zwei Semester Kunstgeschichte und anschließend ein Grafik-Design Studium an der HDK Braunschweig.

Wer ist dein Vorbild unter den ZeichnerInnen?

To name but a few: Jack Kirby, Bernie Wrightson, Frank Frazetta, Kelley Jones, Burne Hogarth, Alex Raymond, Albert Uderzo, MAD’s usual gang of idiots und alle Zeichner der EC-Horror Comics.

Wann und wo arbeitest du am liebsten?

Zuhause. Nachts. Im Keller.

Welche Comics liest du? Online oder gedruckt?

Alles was ich so kriege: Bevorzugt Marvel Essentials und DC Showcase Nachdruckbände. Eerie, Creepy, Vampirella und andere Schwarz-Weiß-Magazine der 60er- und 70er-Jahre. Alles auf Papier. Leider, denn der Platz wird knapp.

Welche Abenteuer würde ein Captain Vienna erleben?

Das fragt besser mal den Harald Havas und seine ASH-Crew. Da halte ich mich raus.

Wordrap

Wien oder Berlin?
Keine Koketterie: Wien!

Wenn nicht Comiczeichner, dann …
Modellbau. Natürlich Monster…

Mein persönlicher Horror ist …
Ein Graphic-Novel-Ettikett…

Dracula oder Frankenstein?
FRANKENSTEIN!

Die Vienna COMIX wird …
anstrengend. So viele Würstel und so wenig Zeit…