Sarah Burrini

Sarah Burrini. Foto privat„Das Leben ist kein Ponyhof“ der deutsch-italienischen Comic-Künstlerin Sarah Burrini erscheint seit 2009 als Webcomic. Darin zeichnet sie Episoden aus ihrem Leben – teils fiktiv, teils real. Über den Ponyhof und wie sie zum Zeichnen kam, hat sie uns im Vorfeld der Vienna COMIX erzählt. 

Anlässlich der Vienna COMIX 2017 haben wir ein Gespräch mit der Schöpferin von Nerd Girl und vielen anderen Charakteren aus dem Ponyhof, Sarah Burrini, geführt. Das Interview führte Marion Ziegelwanger und ist in Ausschnitten im Programmheft nachzulesen. 

 

Vienna COMIX / MZ: Wie hast du das Zeichnen für dich entdeckt?

Sarah Burrini: Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals in meinem Leben nicht gezeichnet zu haben. Schon vor Grundschulzeiten hab ich Comics gekritzelt und während der Grundschulzeiten hab ich dann die Rückseiten meiner Schulhefte mit kleinen Zeichnungen vollgestopft. Sehr zum Leidwesen meiner Lehrer.

Hast du eine spezielle Zeichenausbildung oder bist du Autodidakt?

Sarah Burrini: Da man in Deutschland keine wirklich Ausbildung zum Comiczeichner absolvieren kann, hab ich mir immer das gesucht, was dem am Nächsten kam. Das ging von Aktzeichenkursen an der VHS bis hin zu einer Ausbildung als Trickfilmzeichnerin an der Internationalen Filmschule in Köln. Später habe ich noch versucht so viel wie möglich in Trickfilmstudios zu lernen, ebenso wie in Comiczeichnerstudios in Übersee.

Hast du ein Vorbild unter den ZeichnerInnen weltweit?

Sarah Burrini: Die Liste meiner Vorbilder ist lang und ausschweifend und ändert sich je nach Tagesform. Ich hatte immer große Bewunderung für Jeff Smith, der mit seinem BONE-Comic Fantasy und Humor verbunden hat. Mir gefällt aber auch das etwas düstere Artwork von Becky Cloonan und dann falle ich auch regelmäßig vor Ehrfurcht auf die Knie, wenn ich das großartige Storytelling vom leider viel zu früh verstorbenen Steve Dillon betrachte. Wie gesagt, die Liste der Vorbilder geht bei mir wahrscheinlich ins Unendliche.

Was würdest du einem jungen Menschen raten, der Cartoonist*in bzw. Zeichner*in werden will?

Sarah Burrini: Ich würde jedem angehenden Comiczeichner raten, viel Geduld und Ausdauer mitzubringen. Man muss auch nicht unbedingt hauptberuflich Comiczeichner werden. Es gibt durchaus unterschiedliche Arten das Comiczeichnen auszuführen, ob man damit sein Geld verdient oder nicht. Aber man muss unbedingt drauf achten sollte sich den Spaß am Zeichnen zu bewahren.

Wie viele Stunden pro Tag sitzt du am Zeichentisch?

Sarah Burrini: Puh, das ist unterschiedlich. Das reicht von 8-12 Stunden. Leider geht auch ein großer Teil meiner Zeit für nicht-zeichnerische Dinge drauf, d.h. Mails beantworten, Kalkulationen für Jobs, Messevorbereitungen etc. Aber das gehört halt auch dazu.

Wie war dein erster Ritt auf einem Pony?

Sarah Burrini: Sorry, die Frage kann ich nicht beantworten. Ich bin noch nie auf einem Pony geritten. Ich möchte den Rücken meiner flauschigen Freunde nicht belasten. 🙂

Was war der Anstoß für „Das Leben ist kein Ponyhof“?

Sarah Burrini: Der Anstoß für „Das Leben ist kein Ponyhof“ war einfach der, dass ich Comics machen wollte, aber nicht unbedingt wusste wie ich es anpacken sollte. Ich habe mich, nachdem ich das Phänomen in den USA gesehen hatte, für einen kurzen Webcomic entschieden, um einfach mal das Eis zu brechen und etwas anzufangen. Hätte ehrlich nicht gedacht, dass ich das 8 Jahre später immer noch mache.

Hast du alle Geschichten tatsächlich selbst erlebt? Oder sind sie reine Fiktion?

Sarah Burrini: Weder noch. Ich sage ja gern, dass der Ponyhof zwischen „erlebt und erlogen“ schwankt. Der Ponyhof ist quasi mein Alltag durch meine besondere Brille betrachtet. Wenn ich die reine Wirklichkeit abbilden würde, wäre das Erzählte schnell langweilig, denn so aufregend ist der Alltag einer Zeichnerin auch nicht, die den größten Teil ihres Tages am Zeichentisch verbringt. Also übertreibe ich gelegentlich dramaturgisch etwas. Nur der Elefant als Mitbewohner ist natürlich echt. Er legt Wert darauf, dass die Leute das wissen.

Wer ist dein liebster Gefährte im Alltag: der Elefant, der Pilz, der Dämon oder das Pony?

Sarah Burrini: Oh, da würde ich in Teufels Küche kommen, wenn ich hier einen Liebling verkünde. Dazu sind meine Mitbewohner doch zu schnell beleidigt. Ich kann nur sagen, dass ich mich je nach Tagesform näher zu einem bestimmten Mitbewohner fühle. Wenn ich voller aktionistischem Tatendrang bin, fühle ich mich dem feurigen Fliegenpilz näher. Meine exzentrische Künstlerseele findet sich hingegen mehr in dem divenhaften Elefanten wieder. Wenn ich einfach nur für mich sein möchte, ist das Pony der perfekte stumme Begleiter.

Spielst du Trompete wie Ngumbe, der Elefant?

Sarah Burrini: Nein, leider spiele ich keine Trompete. Das ist dem Jazz begeisterten Elefanten in unserem Haushalt überlassen. Ich habe mir vor ein paar Jahren eine Ukulele gekauft in der Illusion ich hätte neben dem Zeichnen noch Zeit für ein Instrument. Vielleicht kommt es ja eines Tages noch dazu.

Wie sind deine Erfahrungen mit Patreon als Finanzierungsmittel für deine Comics?

Sarah Burrini: Patreon hat den Ponyhof gerettet. Und damit meine ich natürlich eher die Leute, die mich durch Patreon unterstützen. Dank der finanziellen Hilfe war ich motiviert genug, den Ponyhof weiter zu treiben und sogar ein Spin Off dafür zu entwickeln. Das ist ein absoluter Luxus weniger Jobs annehmen zu müssen, weil Leser den Ponyhof auf Patreon finanzieren. Ich kann der Plattform und den Unterstützern dafür nur meinen absoluten Dank aussprechen.

Du hast mehrere Praktika in US-amerikanischen Zeichenstudios absolviert. Wo war es am beeindruckendsten und warum?

Sarah Burrini: Ich habe nur ein Praktikum und mehrere praktikumsähnliche Besuche in einem bestimmten Studio in den USA absolviert: Dem Helioscope Studio (früher Periscope Studio) in Portland (Oregon). Seit 2008 fliege ich dort regelmäßig wieder hin, da es für mich einfach keinen besseren Ort gibt an dem man so talentierten Leuten wie Steve Lieber, Colleen Coover, Jeff Parker, Ron Randall, Erika Moen uvm. beim Arbeiten über die Schulter gucken kann. In meinem ersten Praktikum dort habe ich in drei Monaten so viel gelernt wie sonst in Deutschland in drei Jahren. Das sind einfach wirklich Profis und jeder Aufenthalt bringt mich, glaube ich zumindest, künstlerisch etwas weiter. Letztendlich ist mir dort auch die Idee gekommen, einen eigenen Webcomic zu starten.

Wordrap!

Die Vienna COMIX wird…
FAMOS

Wien ist…
LEIWAND

El Pilzo oder Butterblume?
BEIDE

Köln oder Wien?
KWIEN?

Blockflöte oder Trompete?
TROMPETE

(Interview Sarah Burrini von Marion Ziegelwanger / Vienna COMIX, 2017)