Igor Kordey(FB-Seite) gründete in seiner Heimat Zagreb das Studio Incident. Später arbeitete er über 10 Jahre für Dark Horse und DC wo er u.a. an Tarzan, Predator und Star Wars mitwirkte. Seit Mitte der 2000er Jahre arbeitet er wieder hauptsächlich mit Jean-Pierre Pécau für den französischen Markt.
Wir haben den Stargast Igor Kordey anlässlich der Vienna COMIX 2022 interviewt.
Was machst du am liebsten, wenn du nicht arbeiten musst?
Meine Freizeit verbringe ich großteils mit der Familie. Ich habe einen kleinen Sohn, wir machen gerne lange Spaziergänge am nahegelegenen Fluss, oft in Begleitung meiner Frau. Wenn ich darüber hinaus noch etwas Zeit habe, lese ich gerne Bücher und Comics und sehe mir Filme an.
Und wenn du zeichnest, wie soll das Umfeld dann am besten sein?
Ich bin es gewohnt, mit meiner Frau, Yana Adamovic, zu arbeiten – sie ist auch Comiczeichnerin und Grafikdesignerin, also teilen wir uns ein Atelier und das gefällt mir. Wenn wir uns nicht gerade unterhalten, läuft immer Musik im Hintergrund oder auf meinen Kopfhörern. Ich kann mir nicht vorstellen, ohne Musik zu arbeiten.
Gab es einen Moment, ein Erlebnis, einen bestimmten Anlass, warum du Zeichner geworden bist?
Nein, es sollte so sein – meine frühesten Erinnerungen drehen sich ums Zeichnen. Das Einzige, was ich immer sein wollte – ein Künstler. Ich kann mich wohl glücklich schätzen, dass ich von Anfang an so entschlossen war.
Zeichnest du lieber digital oder auf Papier?
Ich mache beides. Comicseiten zeichne ich immer noch auf klassische Weise – mit Papier, Bleistift und Pinsel. Früher habe ich auch farbige Illustrationen mit der Hand gemalt, aber ca. 2002 habe ich Photoshop entdeckt und weil es ein sehr schnelles und genaues Werkzeug ist, male ich seit 20 Jahren digital. Manchmal juckt es mich in den Fingern, wieder mit der Hand zu malen, mit Aquarell- oder Acrylfarben, aber ich habe gemerkt, dass ich eingerostet bin…oder vielleicht faul 😉
Welche Geschichte würdest du gerne noch zeichnen?
Ich habe keinen besonderen Wunsch. Ich kenne einige Künstler, die sich weigern, in bestimmten Genres zu arbeiten, weil sie nicht gerne Pferde oder Raumschiffe zeichnen. Ich habe kein solches Problem 😉 Meine größte Inspiration war und ist immer noch ein tolles Drehbuch. Es kann also jedes Genre sein, solange die Geschichte gut ist. Ansonsten hätte ich das Gefühl, dass ich meine Zeit verschwende.
Du hast praktisch schon für Auftraggeber aus „der ganzen Welt“ gearbeitet, gibt es gravierende Unterschiede zwischen den Auftraggebern?
Es gibt drastische Unterschiede, zum Beispiel zwischen dem französischen und dem US-amerikanischen Markt (wenn wir über große Märkte sprechen). Das einzige Geld auf dem US-Markt wird mit Superhelden verdient. Wenn du also für eine dieser großen Firmen wie MARVEL oder DC arbeitest, besitzen sie für immer alles, was man für sie produziert hat, und sie behandeln dich nur wie ein Rädchen im Getriebe… Und ihre Honorare sind gering. Auf dem französischen Markt, au contraire, sind Künstler*innen und Autor*innen Eigentümer*innen ihrer Geschichten und der Charaktere, die Honorare sind viel höher und man wird als menschliches Wesen behandelt. Der größte Unterschied ist die Art und Weise, wie die Comic-Kunst behandelt wird – auf dem US-Markt ist der Comic nur ein Teil eines Franchise-Systems, der an die Filmindustrie übergeben werden kann; in Frankreich werden Comics als Kunstwerke betrachtet.
Zeichnest du nach dem vorgegebenen Drehbuch/Storyboard die gewünschten Geschichten durch oder bringst du gerne noch eigene Ideen ein?
Ich mag es, wenn dieser Job unter Profis aufgeteilt wird – ich gebe mein Bestes und der Autor tut sein Bestes. Aber da ich diesen Beruf seit fast 50 Jahren ausübe, halte ich mich für einen der besten Geschichtenerzähler der Welt. Wenn ich also der Meinung bin, dass ich ein Problem besser lösen kann, gebe ich mir die Freiheit, eine bestimmte Sequenz auf meine Weise zu gestalten. Und die Autoren sind in der Regel mit meinen Lösungen zufrieden. Manchmal übernehme ich aber auch das Drehbuch komplett. Zum Beispiel habe ich ein Drehbuch für das Projekt TEXAS KID, MY BRO geschrieben, welches ich gerade nach mehreren Jahren abgeschlossen habe – ein Comic-Buch von ca. 220 Seiten, basierend auf einer 30-seitigen Novelle von Darko Macan.
Hast du einen oder mehrere Tipps für junge Zeichner*innen, die durchstarten wollen?
Nun, das ist ein harter und einsamer Job und Erfolg stellt sich nicht über Nacht ein. Das Talent spielt nur eine kleine Rolle auf deinem Weg zum Erfolg, vielleicht 5 %. Der Rest, 95 %, ist harte Arbeit. Je mehr du arbeitest, desto besser wirst du – genauso wie beim Klavier- oder Gitarre spielen oder im Balletttanz. Wenn du bereit bist, zehn Stunden am Tag zu arbeiten, jeden Tag für den Rest deines Lebens, dann ist Comiczeichner*in ein Job für dich. Und ich teile Künstler*innen in zwei Gruppen ein – diejenigen, die gut sind und diejenigen, die denken, dass sie gut sind – die zweite Gruppe wird große Probleme auf ihrem Weg haben 😉
Was denkst du über die Superheld*innen-Comic-Verfilmungen?
Vielleicht bin ich einfach zu verwöhnt und zu alt, aber ich kann sie nicht mehr als Kinofilme bezeichnen. Es ist nur eine Form der sofortigen Reizüberflutung und des Adrenalinrausches und nach fünf Minuten hat man das alles wieder vergessen – ähnlich wie bei einem Akt der Masturbation.
Du hast schon in mehreren Ländern gelebt, was sind grundlegende Dinge, die du unbedingt überall gebraucht hast?
Nur einen Arbeitstisch, ein Stück Papier und einen Stift und natürlich Internet. In den letzten 20 Jahren ist leider nichts mehr ohne Internet zu machen. Für mich ist es eine Informationsquelle und eine Verbindung zu anderen Personen, aber gleichzeitig ist es auch eine Art Gefängnis – es trägt sehr zur Entfremdung der Menschen bei.
Was ist die größte Veränderung an deiner Arbeit, seit du begonnen hast?
Genau das, was ich in der vorherigen Frage gesagt habe – das Internet. Es kann ein hervorragendes Werkzeug sein um zu lernen und Referenzen für die eigene Arbeit zu finden, aber gleichzeitig kann man heutzutage nichts mehr ohne Internet tun, und das macht mich manchmal wütend. Ich fühle mich kontrolliert und beobachtet, wie in einer Art globalem Konzentrationslager.
Einen Comic über Österreich würdest du in welchem Szenario ansiedeln: Western, Science-Fiction, … ?
Eine Art von dystopischer, orwell`scher Geschichte über die perfekte Gesellschaft 😉
Was sind deine Schlussfolgerungen aus den letzten beiden Jahren?
Meinst du globale Pandemien und Isolation? Für mich ist es dasselbe wie vorher – Künstler*innen haben immer in Isolation gelebt, also keine große Sache 😉
Darko Macan – Der Tausendsassa aus Zagreb. Vermutlich haben viele von euch schon etwas von ihm gelesen, ohne es zu wissen. Er schreibt für den serbischen und kroatischen Sci-Fi & Comic-Markt. Man kennt seine Geschichten noch aus der Gespenstergeschichten-Zeit, aber auch von Donald Duck, dem Lustigen Taschenbuch, Star Wars, Captain America, Hellblazer, Sandman & vor allem: Darke Horses GRENDEL Tales – Devils & Deaths! Und natürlich die neue Splitter-Alben-Serie: MARSHAL BASS!
Wir haben den Stargast Darko Macan anlässlich der Vienna COMIX 2022 interviewt.
Wodurch bist du Autor geworden? Du hast ja auch gezeichnet (und zeichnest immer noch ein wenig), war es dein Wunsch oder haben sich andere dich als Autor gewünscht und du bist so in diese Rolle gewachsen?
Ich war nie ein so guter Künstler, wie ich sein wollte, also begann ich allmählich für Leute zu schreiben, die besser zeichnen als ich. Ich bin glücklicher, wenn ich zeichne, aber ich bin ein besserer Autor als Künstler.
Was sind deine ersten Schritte in der Vorbereitung auf einen neuen Comic?
Panik und Terror, während ich darauf warte, dass es „klickt“. Sobald ein erstes Bild passt und die Charaktere ihre Stimmen finden, wird es einfacher, aber es ist nie ganz einfach.
Kommen Comic-Zeichner*innen zu dir und sagen einfach: „Bitte Darko schreibe mir eine Story, egal welches Genre!“
Ja, aber man sollte nie auf solche Anfragen hören. Die Zeichner*innen fragen dich und kehren dann doch zu den Jobs zurück, für die sie Geld bekommen. Es ist viel besser (und viel seltener), wenn Verlage mit der gleichen Frage klopfen. Wie auch immer, meistens muss man selber klopfen.
Bist du lieber alleine für den Inhalt verantwortlich oder freut es dich, wenn Zeichner*innen, Herausgeber*innen etc. Ideen einbringen?
Ich bevorzuge es für das Thema, das Tempo, den Dialog, usw., der Geschichte verantwortlich zu sein. Der/die Künstler*in ist dann so ziemlich allein für die Grafik verantwortlich und je weniger der Herausgeber involviert ist, desto besser.
Hast du die Story immer schon ganz fertig, wenn die Zeichner*innen beginnen zu zeichnen?
Selten. Bei den längeren Werken habe ich normalerweise das erste Buch/Kapitel fertig, der Rest geht zügig voran.
Du hast in deiner Karriere einige Stadien der technischen Entwicklung mitmachen dürfen: Handschrift, Schreibmaschine, PC, Tablet, etc. Wenn du dir vorstellst heute eine Story per Hand zu schreiben? Wie arbeitest du am liebsten?
Der erste Entwurf jeden Skripts besteht aus den schnellen handgezeichneten Skizzen der Seiten, nur ein paar Zeilen und einigen Schlüsselwörtern aus dem Dialog, fast wie ein stenografischer Ansatz. Daran kann ich sehen, ob der Comic funktioniert. Dann schreibe ich erst das vollständige Skript. Die Humor-Comics sind eine Ausnahme, für die mache ich die kompletten Storyboards.
Welche Comics liest du selbst gerne?
Die lustigen…
Hast du ein Ideen-Notiz-Heft für unterwegs, so wie manche Zeichner*innen schnell Skizzen machen, wenn sie was Interessantes im Alltag sehen?
Ich habe eine halbe Milliarde Zettel mit kryptischen Wörtern und Phrasen herumliegen. Das sind angeblich Ideen, aber normalerweise schreibe ich etwas ganz anderes.
Wieviel Einfluss hast du auf die bildliche Umsetzung? Machst du so was wie ein Storyboard beim Film und gibst grundlegende Vorgaben zu Landschaften, Charakteren, etc.?
Ich beschreibe die Stimmung, Handlungen und Emotionen. Ich gehe nur dann auf bestimmte visuelle Details ein, wenn dies von entscheidender Bedeutung ist, beispielsweise wenn neue Charaktere oder Rahmen eingeführt werden. Diese sind fast immer vage genug, damit Künstler*innen sie so interpretieren können, wie es ihnen am besten passt.
Kommt es vor, dass sich Autoren-Kolleg*innen gegenseitig um Rat fragen, wie man eine Story weiterführen oder auflösen könnte?
Sicher. Immer wenn ein Autor feststeckt, wird er um Rat fragen und diesen dann vollständig ignorieren.
Wie geht es dir damit, auf Termine hinarbeiten zu müssen?
Meinst du Fristen oder redaktionelle Anweisungen? Beide sind in Ordnung, weil sie deinen Fokus einschränken und dir helfen zu produzieren. Aus dem gleichen Grund sind aber beide auch frustrierend.
Arbeitest du auch manchmal an mehreren Geschichten gleichzeitig? Wird man da dann leicht verrückt? :0)
Immer. Es hält die Dinge interessant. Es trägt auch zu einer gesunden Dosis Chaos bei.
Bei Splitter erscheint aktuell dein Comic „Marshal Bass“. Der Story-Held ist ein als Sklave geborener Mann, der zum ersten schwarzen Sheriff Amerikas wird. Wieviel ist historisch belegt und wieviel deiner Fantasie zu verdanken?
Nun, deine Beschreibung deckt so ziemlich alle bekannten historischen Fakten ab, sodass alles andere, insbesondere die Handlung, vollständig erfunden ist. Marschall Bass ist eine historische Fiktion.
Bist du froh, dass heute in vielen Genres, die grundlegenden Geschichten schon geschrieben sind und man sich daher spezielleren Themen und Inhalten widmen kann. Die Leser*innen haben heute schon ein gewisses Fachwissen, was sicher auch fordernd ist, gefällt dir das?
Es geht nicht um Vorlieben oder Abneigungen … Ich versuche etwas anderes zu schreiben, hauptsächlich um mich zu amüsieren und ich hoffe, es gibt ein Publikum, das die gleichen Dinge amüsant findet. Manchmal funktioniert es, manchmal funktioniert es nicht so gut, wie ich es gerne hätte.
Würdest du auch gerne Drehbücher für Filme schreiben?
Sag niemals nie, aber aktiv verfolge ich diese Richtung nicht. Die kreative Kontrolle ist bei Comics höher, obwohl, ja, das Budget ist bei Filmen größer.
Wenn Österreich in einem deiner Comics vorkommen müsste, was fällt dir da spontan dazu ein, was würdest du einbauen: Schauplatz/Epoche/ Mehlspeisen?
Ich war einmal in einem Schneesturm außerhalb von Klagenfurt eingeschlossen, das könnte eines Tages zu einem Comic werden … Historisch gesehen interessiert mich die Zeit des österreichisch-ungarischen Reiches wegen der Verbindungen zum Balkan.
Viele Leser*innen im deutschsprachigen Raum kennen dich und deine Geschichten vielleicht aus den alten „Gespenster Geschichten“ – Comic-Büchern – wie erinnerst du dich an diese Zeit, wie kam es damals zu diesen Jobs?
Die Erinnerungen sind gut. Es war mein erstes internationales Engagement, öffnete mir einige Türen und brachte Verbindungen. Es fühlte sich wirklich gut an zu arbeiten und dafür bezahlt zu werden, aber da es sich um Agenturarbeit handelte, war die Kommunikation nie perfekt. Insgesamt bin ich aber dankbar für die Chance.
Du hast viel für US-Verlage gearbeitet und machst jetzt mehr für den französischen Markt – gibt es einen großen Unterschied?
Der größte Unterschied liegt in der Produktionsgeschwindigkeit: hektisch in den USA, etwas entspannter in Frankreich. Ansonsten gibt es keine großen Unterschiede, das Publikum in beiden Märkten hat eigene Erwartungen und mag keine Überraschungen, was die Frustration der Autor*innen auf allen Kontinenten gleich macht.
Gibt es Titel, die du in Österreich oder Deutschland veröffentlichen möchtest? Etwas, was die Leser hier unbedingt lesen sollten?
Einige meiner Favoriten habe ich für den kroatischen oder serbischen Markt gemacht: La Bete Noire mit Milan Jovanović, Svebor und Plamena oder Martine Moon mit Goran Sudzuka, The Broken Universe mit Vujadin Radovanović und eine Reihe von Comics und Büchern für Kinder … Die würde ich gerne überall übersetzt sehen, aber sie passen selten in die Verlagsnischen, das wäre ein harter Kampf.
Irgendwelche Tipps für angehende Schriftsteller*innen?
Ja, erwartet, dass sich alles, was ihr über dieses Geschäft wisst, zu jedem Zeitpunkt verändert, und seid bereit euch mit zu verändern.
Was sind deine Schlussfolgerungen aus den letzten beiden Jahren?
Conclusions are for suckers oder Schlussfolgerungen sind für Schwätzer!
Wordrap!
Die Vienna COMIX wird … dem Coronavirus zum Opfer fallen?
Dein(e) Lieblingsschriftsteller … bei Comics, Alan Moore.
Donald oder Yoda … Donald (Duck nicht Trump).
Haustiere sind … verwöhnt
Urlaub wird … selten
Leere Seiten machen mich … ich hätschle und verwöhne sie mit Worten und Geschichten
Graphik Novels sind … ein dummer Begriff
Star Wars oder Italo Western … Der Mandalorianer kombiniert beides
Das Beste am Autorendasein ist … arbeiten mit den Füßen auf dem Schreibtisch
SlippedDee, eine Frau die weiß wie Männer ticken: Hinter dem Pseudonym steckt die Wiener Zeichnerin Dagmar Wyka. Dee zeichnet Boys Love Mangas, daher weiß sie zumindest in ihren Geschichten was Männerherzen so alles beschäftigt. Wir dürfen euch hier ein großes Talent der heimischen Szene vorstellen und Dee stellt auf der COMIX ihren neuen Manga „Rosa Strumpfhosen und ein [Tütü]“ vor. Wir haben sie anlässlich der Vienna COMIX 2022 interviewt.
Dee zeichnet Boys Love Mangas, daher weiß sie zumindest in ihren Geschichten was Männerherzen so alles beschäftigt. Wir dürfen euch hier ein großes Talent der heimischen Szene vorstellen und Dee stellt auf der COMIX ihren neuen Manga „Rosa Strumpfhosen und ein [Tütü]“ vor.
War Zeichnen für dich immer ein Hobby oder hast du dir einmal bewusst vorgenommen „ich will jetzt zeichnen lernen“?
Ich habe viele Mangas in meinem Leben gelesen. Oft waren tolle Geschichten dabei, aber geendet haben sie nie so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Ich glaube, das war so der springende Punkt, dass ich gesagt habe, ich möchte meine eigenen Geschichten zeichnen. Ich glaube, das war mit ca. 15 oder 16. Im Gegensatz zu anderen Zeichner*innen, die in dem Alter schon auf einem professionellen Level Kunst machen, war es doch relativ spät. Für ein Kunststudium hat es damals noch nicht gereicht. 😉
Wodurch hast du die besten Fortschritte gemacht (Zeichenkurse, mit anderen zeichnen,…)?
Definitiv Zeichnen mit anderen. Da habe ich viele neue Aspekte gelernt, die ich so nie bedacht hatte. Ich wünschte, ich könnte das öfters tun, weil ich keine Zeichenausbildung habe. Ein paar Zeichenkurse an der Uni waren aber schon drinnen. 😉
Was hat dich zum Manga Zeichnen gebracht, wieso nicht Disney-Style oder klassische Superheld*innen?
Ich kann mich erinnern, dass mich der Stil als Kind einfach angesprochen hat. ich wusste damals nicht, dass es einen kollektiven Begriff dafür gibt, wie ‚Anime‘ oder ‚Manga‘. Das Medium ‚Manga‘ kann auch Emotionen am stärksten rüberbringen, allein durch die Bandbreite an Darstellungsmethoden. Ich mag schwarz/weiße Comics auch lieber. Bunt ist manchmal zu überladen.
Du hast schon mehrere eigene Mangas herausgebracht, die im Genre Boys Love spielen. Also sehr vereinfacht gesagt, Liebesromane mit schwulen Männern in den Hauptrollen. Diese Mangas werden aber mehrheitlich von Frauen gelesen. Worin besteht die Faszination?
Gelinde gesagt: Ich weiß es nicht. Es ist ein Phänomen, das viele Leserinnen trifft. Eine Erklärung gibt es mehrere. Manchen macht es einfach Spaß, für andere ist es ein Ventil zu ihrer Sexualität, andere wiederum können Romanzen genießen, ohne sich selbst mit der Hauptfigur unterbewusst zu vergleichen oder in eine bestimmte Rolle gezwängt zu werden.
Die dargestellten Männer sind meistens schon sehr gut aussehende Idealtypen. Was ist hier jetzt der Unterschied zu von Männern gezeichneten „Ideal-Klischee-Frauen“?
Ich verurteile niemanden, der ästhetisch geprägt ist und so seinen ‚Idealmenschen‘ darstellen will. Also für mich macht es keinen Unterschied. Ich kann aber die Kritik nachvollziehen. Die Body-Positivity-Bewegung ist z.B. daraus entstanden. Ich persönlich finde sie wichtig speziell für Menschen, die sich nie bis kaum in Medien wiedererkennen aber dadurch eine Nische bekommen.
Zur Vienna COMIX bringst du deinen druckfrischen neuen Manga mit „Rosa Strumpfhosen und ein [Tütü]“ Wie lange hast du daran gearbeitet?
Ja! Und ich freue mich sehr drauf J Das Grundgerüst zur Story ist eigentlich schon sehr alt. Erste Ideen hatte ich 2004. Mit dem Band habe ich schon 2016 angefangen und nach 20 Seiten musste ich aus mehreren Gründen eine Pause einlegen. Letztes Jahr im Sommer habe ich wieder begonnen daran zu zeichnen. Es sind 96 Seiten geworden und ich kann immer noch nicht glauben, dass ich den ersten Band in Händen halte.
Ist die Story eher als leichte Unterhaltung gedacht oder stellt man seine eigene Beziehung nach dem Lesen vielleicht in Frage, weil darin so viele Denkanstöße zu finden sind?
Es ist absolut als leichte Unterhaltung einzustufen. Ich hoffe, es bringt meine Leser*innen zum Lachen, denn ich spiele sehr gerne mit Klischees und Stereotypen aus Mangas und Boys Love allgemein. Ich überziehe sie gern, aber nicht ins Lächerliche. Es ist liebevoll gemeint.
Du hast deinen Zeichenstil verändert und bist von Manga mehr in Richtung Superhelden und europäischen Stil gegangen. Wodurch hat sich das ergeben?
Ich habe eine Zeit lang Aktzeichenkurse besucht und wollte mein Wissen in meine Comiczeichnerei einfließen lassen. Irgendwie hat sich dadurch mein Stil angepasst und war auch hilfreich für ASH. Natürlich haben mich auch die Superheldenverfilmungen der letzten 10 Jahre geprägt und Freunde, die vermehrt westliche Comics gelesen haben. Diese Phase hatte ich auch.
Entwickelst du deine Comics ganz alleine oder hast du Kolleg*innen die dich unterstützen?
Ich mache es ganz unprofessionell und zeichne aus dem Bauch heraus. Meistens. Aber Tütü ist so komplex geworden, dass ich doch strichpunktartig meine Ideen aufgeschrieben habe, weil ich Teile nicht vergessen wollte. Ich frage auch niemanden nach seiner Meinung, außer es sind technische Aspekte, wie Layout, Dialoge, Anatomie, Schriftarten. etc. Ich habe mit zwei Freundinnen einen Zeichenzirkel namens CLUBSANDWICH gegründet. Mit den beiden tausche ich mich regelmäßig aus.
Du arbeitest als Architektin, nimmst du die Geradlinigkeit aus deinem Beruf mit ins Comiczeichnen oder genießt du beim Erschaffen eines neuen Comics die künstlerischen Freiheiten und das Fehlen jeglicher Ö-Normen für Mangas.
Hahahaha! Ich komme mit Regeln gut klar. Sie geben eine Struktur vor. Man muss nicht von Null anfangen und man hat nur einen begrenzten Freiraum, in dem man sich bewegen kann. Ich mag diese Challenge. Beim Manga ist es natürlich freier, aber auch ein Manga hat Regeln. Trotzdem genieße ich es zur Abwechslung Menschen und ihre Gefühle darzustellen.
Was zeichnest du in deinen Comics nicht gerne (Fahrräder, Häuser, Tiere,….) ?
Unordnung … auch das muss geplant werden. Locations, die ich mir selbst ausdenken muss. Das ist anstrengend.
Du gehörst ja auch zum erweiterten Team von ASH (Austrian Super Heros), welche Veränderungen hast du in den letzten Jahren, in der Österreichischen Comic-Szene wahrgenommen?
Schwer zu sagen: Ich war davor eigentlich nicht wirklich in der österreichischen Comic-Szene aktiv, deshalb kann ich nicht sagen, ob sich was verändert hat. Ein genereller Aspekt ist mir allerdings aufgefallen. Comics werden immer mehr zum Mainstream. Es ist mittlerweile nicht mehr ’seltsam‘. Die Bandbreite hat sich auch geändert. Früher waren nur Karikaturen und Zeitungs-Strips das einzig Wahre.
Hat das Comic zeichnen dich in deinem Beruf irgendwie beeinflusst oder eher umgekehrt?
Eher umgekehrt. Ich kann viele Aspekte aus meinem Berufsleben in meine Mangas einfließen lassen. Z.B. hab ich eine größere Bandbreite an Software, die ich nutzen kann. CAD-Programme, 3D-Programme, etc.
Was sind deine Schlussfolgerungen aus den letzten beiden Jahren?
Man sollte nichts auf später verschieben und das tun, was man will und für richtig hält. Es ist auch wichtig, Menschen zu haben, die einem in schweren Zeiten beistehen und sie schätzen lernen. Sie sind nicht selbstverständlich.
Außerdem verfliegt die Zeit verdammt schnell.
Wordrap!
Die Vienna COMIX wird … ka b’soffene G’schicht.
Harry Potter oder Prinz Harry … Hauptsache Brexit.
Almhütte oder Strandhaus … Chalet oder Bungalow
Planung ist … die ganze Miete.
Männer sind auch nur … von der Erde und nicht vom Mars.
Comic-Kunst auf allen Ebenen des Möglichen: Valentina Briški (Kroatien, Vampirella) und Fran Strukan (Kroatien, Mars Attack, Vampirella) sind Stargäste auf der Vienna COMIX 2022. Wir haben Sie anlässlich ihres Wienbesuchs interviewt.
Was wolltet ihr werden, bevor sich ZeichnerIn als euer Favorit durchgesetzt hat?
Valentina: Ich wollte immer eine Art bildende Künstlerin oder Illustratorin werden.
Fran: Seit der Grundschule war ich fest entschlossen, Videospieldesigner zu werden. Damals gab es aber keine Möglichkeit für mich, … oder ich war einfach zu jung, um zu wissen worum es geht.
Gab es einen bestimmten Moment, wo ihr euch gedacht habt: “Jetzt zeichne ich nicht mehr nur zum Spaß, jetzt bin ich Profi!“
Valentina: Nicht wirklich. Ich zeichne ja immer noch zum Spaß.
Fran: Ich arbeite daran, während wir sprechen! xD
Habt ihr Vorbilder und wie weit beeinflussen die euch heute noch?
Valentina: Ja, viele
Fran: Es gibt wirklich eine Menge. Diejenigen, die mir zuerst einfallen sind Möbius, Hermann, Edvin „Eddy“ Biukovic, Akira Toriyama und dies sind nur die aus meiner Kindheit. Ich habe seitdem Tonnen von erstaunlichen Künstlern entdeckt, die mich sehr beeinflussen, immer situationsabhängig.
Valentina, gibt es S/W Comic die dir gefallen?
Valentina: Natürlich, tonnenweise
Sind eure Arbeitstage fest strukturiert und könnt ihr auch zu arbeiten beginnen, wenn es euch gar nicht freut?
Valentina: Ich habe eine schon eine feste Struktur in meinen Arbeitstagen. Schwierig wird es diese einzuhalten, wenn ich mich schlecht oder enttäuscht fühle.
Fran: Als wir ein richtiges Studio hatten, gab es den Anschein von Struktur, aber ich würde mich einen „Master Organizer“ nennen. Das Schwierigste für mich persönlich ist es, meine eigene Zeit zu verwalten. Ich erledige die Dinge viel leichter, wenn ich weiß, dass es Konsequenzen gibt, für den Fall, dass ich es vermassle. Es kann auch als Motivation dienen, wenn ich mich durchgeknallt fühle und keine Lust auf Arbeit habe.
Wie geht es euch mit dem Fertigwerden einer Zeichnung, könnt ihr aufhören oder muss es immer noch perfekter werden?
Valentina: Das hängt ganz von der Zeichnung, den Umständen und der Zeit ab, die noch bleibt.
Fran: Ich lösche viel … wie … VIEL. Zunächst. Aber sobald die Fristen abgelaufen sind, geht es nur noch darum, den besten Mittelweg zu finden. Ich möchte immer gerade genug Mühe in die Seite stecken um sie ein bisschen besser zu machen als zuvor.
Zeichnet ihr lieber digital oder auf Papier?
Valentina: Ich zeichne gerne auf Papier, male aber digital; obwohl ich auch sehr gerne Aquarelle male.
Fran: Papier. Aber ich würde mehr digital zeichnen, wenn ich die richtigen Werkzeuge hätte.
Zeigt ihr eure Comics vor der Abgabe an den Verlag, Kolleg*innen um noch eine zusätzliche Rückmeldung zu bekommen?
Valentina: Ja, immer
Fran: Manchmal, nicht immer
Wie gut ist die Comic-Szene in Kroatien vernetzt, gibt es fixe Treffen oder läuft man sich in Zagreb eh immer wieder über den Weg?
Valentina: Ich denke, dass es ein bisschen verstreut ist; die Gruppe von uns, die zusammen im Studio war, sieht sich aber regelmäßig.
Fran: Wenn du von Zeit zu Zeit das Haus verlässt, musst du jemanden aus der lokalen Comicszene treffen. Es ist eine wirklich kleine Gruppe, also kennen wir uns fast alle, aber jeder hatte seine eigene kleine Clique.
Welche Möglichkeiten bietet der heimische, kroatische Comic-Markt? Muss man für einen ausländischen Verlag arbeiten um vom Zeichnen leben zu können?
Valentina: Ja, leider ist der kroatische Comic-Markt zu klein um Künstler*innen Jobs oder andere Möglichkeiten zu bieten.
Fran: Für lokale Comicautor*innen oder –künstler*innen gibt es keinen Markt und keine Verlage, die echte finanzielle Anreize bieten. Meiner Meinung ist es eine echte DIY-Szene, das heißt, es gibt kaum eine. Was schade ist, wenn man bedenkt, wie viel Comic-Kultur wir früher hatten.
Valentina, colorierst du alle Comics die Fran zeichnet?
Valentina: Nein
Fran hast du auch schon Comics coloriert?
Fran: Tatsächlich habe ich das. Mein erster Auftrag in Übersee war ein kleiner Crowdfunded-Comic namens „Food for Thought“ (geschrieben von Cassidy James und gezeichnet von Ivan Livan Cornejo) den ich koloriert habe. Auch meine eigenen Comics und Illustrationen habe ich koloriert und bei Dynamite-Comics Goran Sudžukas Cover.
Graphic Novels und Mangas – haben diese Comic-Formen die Comicszene weltweit einige Zeit lang über Wasser gehalten, bevor die Superhelden, dank der Kinofilme, wieder die Macht übernommen haben?
Valentina: Das denke ich nicht. Ich glaube, dass sich das Comic-Publikum im Laufe der Zeit verändert hat und sich für verschiedene Genres und Geschichten interessiert.
Fran: Das ist eine schwierige Frage und nachdem ich mehrere große Antwortversuche gelöscht habe, muss ich sagen, dass ich keine Ahnung habe.
Was sind eure persönlichen Comic-Favoriten oder Comic-Charaktere?
Valentina: Es ist fast unmöglich nur eines auszuwählen, aber besonders mag ich Corto Maltese.
Fran: The Incal, Top Ten, Grendel Tales: Tod und Teufel, das gesamte Werk von Jiro Taniguchi … was die Charaktere betrifft, im Moment stehe ich aber wirklich auf Zorro!!!
Welche kroatischen Comics sollten die österreichischen Comic-Fans auf alle Fälle mal lesen?
Valentina: Etwas von Igor Kordej
Fran: Alles von Krešimir Biuk oder Bob Solanović :), aber auch alles von Igor Kordej, Eddy Biukovic oder Darko Macan zu lesen, ist eine sichere Sache.
Seid ihr schon mal in Österreich gewesen?
Valentina: Ja, in Wien
Fran: Ein paar Mal! Meistens in Graz: D.
Gibt es für euch irgendeinen Bezug von Österreich und Comics?
Valentina: Der ist jetzt!
Fran: Nun, eigentlich weiß ich schon eine Weile, dass Comics in Österreich beliebt sind, hauptsächlich durch ältere Freund*innen und Kolleg*innen. Diese Einladung war also die perfekte Gelegenheit, um zu überprüfen, was hier vor sich geht!
Was sind eure Schlussfolgerungen aus den letzten beiden Jahren?
Fran: Ob Pandemie oder nicht Pandemie, um Comics zu machen musst du sowieso in Quarantäne gehen!
Valentina: Die letzten zwei Jahre haben mir gezeigt, wie viel Menschen auszuhalten bereit sind. Auch wenn es hart war und wir viele Entbehrungen erlebt haben, werden wir hoffentlich stärker daraus hervorgehen.
Wordrap Valentina:
Die Vienna COMIX wird … rocken
Unser Comic-Lieblingsbösewicht ist … Magneto
Das Beste am Comic-Zeichner*innen-Dasein ist … kostenlose Comics
Als Ausgleich zu meiner Arbeit … schaue ich zu viele Fernsehsendungen
Neben dem beruflichen Zeichnen, zeichne ich … für mich selbst
Wien als Handlungsort eines Comics … klingt großartig
Zeichnen würde ich gerne … ein Märchen
Dank dem Internet haben Comic-Zeichner*innen … mehr Zugang zu ihren Fans
Abgabetermine sind … leider notwendig
Unerfreuliche Träume … sind unerfreulich
Wordrap Fran:
Die Vienna COMIX wird … eine Wucht, da bin ich mir sicher!!!
Mein Comic-Lieblingsbösewicht ist … Batman
Das Beste am Comic-Zeichner*innen-Dasein ist … huh … da hast du mich erwischt
Als Ausgleich zu meiner Arbeit … verbringe ich so viel Zeit wie eine Kartoffel im Garten … Gärtnern ist das Beste!
Neben dem beruflichen Zeichnen, zeichne ich … ein leeres Blatt!
Wien als Handlungsort eines Comics … hat eine Menge bemerkenswerter Architektur, die schwer zu zeichnen wäre
Zeichnen würde ich gerne … ein Zorro Comic!
Dank dem Internet haben Comic-Zeichner*innen … mehr Möglichkeiten zum Pause machen als jemals zuvor! Aber auch Zugriff auf fast jede Information, die Sie benötigen!
Abgabetermine sind … dein bester Freund, dein schlimmster Feind Unerfreuliche Träume … habe ich meistens, wenn ich in der Nacht zuvor übertrieben habe
Der serbische Comiczeichner („Psychonaut“) begann seine Karriere in den 80er Jahren. Aleksandar Zograf beschäftigte sich teils autobiografisch in seinen Werken mit dem Thema Restjugoslawien und mit den NATO-Angriffen im Jahr 1999 auf Serbien. Von dem Künstler sind zahlreiche Werke in Übersetzungen bei Comicverlagen wie Fantagraphics Books, L’Association oder Jochen Enterprises erschienen.
Was war zuerst da, der Wunsch Geschichten zu erzählen oder zu zeichnen?
Als Kind war ich vom Zeichnen besessen, doch sehr bald fing ich an zu schreiben, meistens fantastische Geschichten. Als Teenager schrieb ich an meinem eigenen Fanzine (ein Magazin, von Fans für Fans) namens KRETIN, die erste Nummer kam 1979/1980 heraus. Zu dieser Zeit veröffentlichte ich auch Rockkritik (ich interessierte mich hauptsächlich für die Avantgarde-Szene, wie die frühen „The Residents“) Meine Artikel erschienen in nationalen Publikationen schon bevor ich erwachsen wurde. Etwa im Rockmagazin Jukebox, das nicht nur in Jugoslawien, sondern auch in den slawischen Ländern Osteuropas gelesen wurde, wo Rockmagazine aus dem Westen zu dieser Zeit sehr schwer zu bekommen waren. Noch immer kennen mich Leute unter meinem richtigen Namen Saša Rakezić, weil sie meine frühen Artikel gelesen haben. Irgendwann Mitte der 1980er Jahre begann ich unter dem Pseudonym Aleksandar Zograf, experimentelle Comics in der jugoslawischen Presse zu veröffentlichen.
Hast du immer ein Notizheft dabei um Skizzen zu machen?
Früher schon, jetzt trage ich nur noch ein Skizzenbuch bei mir, wenn es notwendig ist. Ich zeichne bei allen Gelegenheiten so viel, dass ich manchmal einfach das Spazierengehen genieße (sehr oft in den Bergen) und das Fahrradfahren…
Kontrollierst du, oder lässt du die Übersetzungen deiner Comics kontrollieren, ob sie sinnhaft sind?
Ich befasse mich selten mit Übersetzungen, das überlasse ich den Übersetzer*innen. Ich schreibe Texte oder Übersetzungen auf Englisch, ich spreche ein wenig Italienisch, aber nur zur grundlegendsten Kommunikation, nicht genug um mit der literarischen Korrektheit des Textes umzugehen. Wenn es um japanische oder griechische Übersetzungen usw. geht, habe ich den Übersetzer*innen voll vertraut.
Welchen Vorteil hat das Erzählen in Comicform?
Der Vorteil eines Comics ist, sich mit einer Zeichnung auszudrücken, anstatt Worte zu verwenden. Text und Zeichnungen können kombiniert, nach neuen und originellen Wegen gesucht werden. Der Comic ist tatsächlich nah am Film, die Geschichte wird in Form von Sequenzen dargestellt. Der Comic-Journalismus ist heute beispielsweise eine völlig legitime Ausdrucksform. Was ich damit sagen will, ist, dass Comics mit anderen Disziplinen kombiniert werden können und sehr originelle Lösungen möglich sind.
Krieg kommt oft als Thema in deinen Geschichten vor und du hast Krieg auch real erlebt. Ist die Arbeit dann belastend oder kannst du die Situationen ab-arbeiten, dich etwas befreien, dadurch?
In den 1990er Jahren sprach ich über den Krieg, der zum Zerfall Jugoslawiens führte. Es interessierte mich, wie sich diese Situation in gewöhnlichen Menschen widerspiegelt, vielleicht welchen aus meinem Umfeld… In dem Buch Partisanenpost sprach ich über einen anderen Krieg, den Zweiten Weltkrieg, der fast das gesamte Leben auf dem Planeten Erde betraf. Noch heute ist das Echo dieses Ereignisses überall zu spüren, besonders in Europa. Während des 20. Jahrhunderts waren die technologischen Fortschritte erstaunlich, aber sie wurden häufig verwendet um Menschenleben zu vernichten. Allein in den späten 1930er Jahren und in den 1940er Jahren starben mehrere Millionen Menschen, mehr als in jedem anderen historischen Zeitraum. Der Kampf gegen die extreme Rechte, so dachte man, hätte nach dem schrecklichen Leid, das unsere Zivilisation erlitten hat, selbstverständlich werden sollen. Aber heute haben wir den Aufstieg der Rechten aller Art wieder und das Hauptmerkmal der Politik der Zeit in der wir leben, ist der Konservatismus. Ist es möglich, dass wir nichts aus der schrecklichen Vergangenheit gelernt haben? Es scheint notwendig, die Menschen an diese schrecklichen Erfahrungen zu erinnern. Meine Interessen sind jedoch vielfältig, ich mache auch Comic-Reportagen, Comics über Träume, archäologische Comics und mehr.
Haben Comics bei jungen Menschen noch eine Chance gegen das Internet, Games oder sonstige digitale Vergnügungen?
Vor kurzem hatte ich einen Comic-Workshop mit Schulkindern in Užice, einer Stadt in Westserbien. Ich habe gedacht, dass junge Leute im Gegensatz zu früheren Zeiten Comics fast nicht kennen. Trotzdem musste ich ihnen nicht viel über die Sprache der Comics erklären. Ich erkannte, dass ihre Eltern, die Comics mit Leidenschaft lasen, tatsächlich mit ihnen darüber sprachen und sie ihnen zeigten. Selbst wenn sie also nicht selbst Comic-Heften nachjagen, wissen sie, wie Comic-Medien funktionieren, sie haben es persönlich von Familienmitgliedern gelernt. Ich denke das stellt sicher, dass das Comic-Buch zumindest als Sprache unter der jüngeren Generation anerkannt wird. Dann bat ich sie auch sich zu melden, wer denn Mangas lese und die meisten von ihnen hoben ihre Hände!
Ich denke, dass der Comic heute in einer unterlegenen Position gegenüber den populären digitalen Medien ist. Aber während Menschen früher schon in ihrer Jugend mit Comics in Kontakt kamen, ist es jetzt wahrscheinlicher, dass sie nun in späteren Perioden ihres Lebens anfangen werden, Comics zu lesen und zwar als „Graphic Novels“, so wie man früher erst später zu „ernster“ Literatur kam und das muss gar nicht Mal so schlimm sein.
Die letzten beiden Jahre mit Corona, jetzt der Angriff auf die Ukraine – einfach die Fortsetzung der Katastrophen, wie bisher in der Menschheitsgeschichte oder doch eine besondere Eskalation?
Ich werde noch einmal den Comic-Workshop in Užice erwähnen – eine Gruppe von Kindern kam ganz auf eigene Faust auf die Idee, ein gemeinsames Werk zu zeichnen, jeder jeweils ein Quadrat vom Comic. Interessiert fragte ich nach dem Thema dieses Comics. Das Drehbuch auf das sie sich in einer gemeinsamen Diskussion einigten, handelte von Putin und Corona und wie die Welt nach dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine aufgehört hat, über Corona zu sprechen! Ich denke, sogar zehn- oder elfjährige bemerken die Ereignisse um sie herum. Wenn wir die Kindercomics beiseitelassen, denke ich persönlich, dass all diese Ereignisse Teil einer allgemeinen Krise sind, die viel länger als zwei Jahre dauern wird.
Kannst du dir Kriegsberichte ansehen ohne zu sehr an deine eigenen Kriegserlebnisse erinnert zu werden?
Kaum, weil alles so vertraut erscheint. Es ist traurig, dass wir all die Jahre nicht davon abgerückt sind, Konflikte mit Hilfe von Bomben zu lösen und das Schlimmste könnte noch kommen…
Können Comics ihre Leser*innen wachrütteln?
Ich weiß es nicht, aber einen Versuch ist es wert. In Serbien gab es überraschend viele Reaktionen auf meine Comics über das heute bereits ein wenig verdrängte Thema, den Zweiten Weltkrieg. Meine Absicht ist es eigentlich über das Schicksal gewöhnlicher Menschen zu sprechen, die sich mitten in einer Hölle der objektiven Realität befinden – was können sie tun? Wie sollen sie sich verhalten? Auf solche Fragen gibt es keine einfachen Antworten. Inspiriert hat mich die Tatsache, dass ich erst vor wenigen Jahren, in meinen 50ern, von den Aktivitäten meiner Großeltern während der Nazi-Besatzung und ihrem Engagement für den illegalen Widerstand erfahren habe. Mein Großvater starb, als ich 14 Jahre alt war, also konnte ich nicht einmal mit ihm über den Krieg sprechen und dann fand ich Belege und seine Aussagen in den Archiven der Stadt Pančevo über das, was in der Stadt geschah und seine Aktivitäten in diesen Jahren.
Obwohl meine Großeltern, die an vielen Aktionen zusammen teilnahmen, sich in ihrem Leben nie über irgendetwas beschwert hatten, wurde mir klar, dass sie sehr schwierige und dramatische Situationen durchmachten. Ihr Leben hing am seidenen Faden und sie halfen anderen selbstlos; unter anderem organisierten sie Sammlungen zur Verpflegung von Häftlingen in den Konzentrationslagern. Das war eine sehr komplexe und gefährliche Operation. Interessanterweise bekamen sie auch Hilfe von Deutschen, entweder von denen, die Vertreter der deutschen Minderheit in diesem Teil Serbiens waren, oder von Antifaschisten aus dem Reich. Es gab viele solcher Geschichten und sie kommen nun langsam aus dem Schwarz-Weiß-Rahmen, der einst vorherrschte, als es um diese Zeit ging.
Vielleicht ist das der Grund, warum sich während des Zerfalls Jugoslawiens in den 1990er Jahren, Situationen des Zweiten Weltkriegs wiederholten oder die Menschen sich aneinander rächten. Die Lektion der Vergangenheit wurde einfach nicht in all ihrem Gewicht verstanden – leider geschieht dies anderswo auf der Welt ebenso. Durch meine Arbeit habe ich versucht, über das Leiden des kleinen Mannes, der kleinen Frau, des kleinsten Rades, nachzudenken. Menschen für die, die „große“ Geschichte keine Zeit hat oder sie für erbärmlich hält. Ich weiß nicht, ob es jemanden aufwecken kann, aber während ich darüber nachdenke, fühle ich mich, als würde ich selbst aus der Lethargie gerissen.
Zeichnest du eher, was dich beschäftigt oder über allgemein aktuelle Themen?
Ich beschäftige mich viel mehr mit meinen persönlichen Interessen. Zum Beispiel erforsche ich seit Jahren wie Schlaf unser Leben, aber auch unsere Kreativität beeinflusst. Für eine Weile vertiefte ich mich als Praktizierender, nicht als Theoretiker in das Problem der luziden Träume (Traum, in dem der Träumer sich dessen bewusst ist, dass er träumt). Lange Zeit lag mein Fokus auf hypnagogischen Visionen, welche wir sehen, wenn wir in den Schlaf sinken oder aus einem Traum aufwachen. Ich rekonstruierte sorgfältig Tausende von Bildern, die vor meinem inneren Auge lauerten und veröffentlichte einige dieser Zeichnungen in selbst produzierten Mini-Comiczines namens Hypnagogic Review. Ebenfalls 1997 veröffentlichte der (heute nicht mehr existierende) US-Verlag Kitchen Sink Press ein Comicbuch, „Flock of Dreamers“, herausgegeben vom amerikanischen Comiczeichner Bob Kathman und mir. Es ist eine internationale Anthologie von Traum-inspirierten Comics, mit exklusiven Beiträgen von Robert Crumb, Jim Woodring und anderen Autoren.
Ich mache auch eine Art Comic-Reportage (für die serbische Wochenzeitschrift VREME), versuche zumindest die Länder und Städte zu verstehen, die ich besuche. Ich denke, es ist sehr wichtig, dass wir den Anderen verstehen und ich hatte immer den Eindruck, dass wir durch die Erfahrungen anderer uns selbst besser verstehen. Es stellt sich heraus, dass es den Menschen am schwersten fällt, sich selbst zu verstehen – werden solche Fragen nicht von ganzen Armeen von Psychologen, Philosophen und verschiedenen anderen Experten behandelt? Ich versuche andere auf meinen Reisen zu verstehen und dann mich selbst… Ich interessiere mich auch für Archäologie (insbesondere prähistorische Archäologie) und habe mehrere Comics zu diesem Thema gezeichnet. In der Tat, je älter ich werde, desto tiefer bewege ich mich in der Zeit zurück und in mir selbst ist es ein sehr lustiger Prozess… Viele meiner Comics sind jedoch eigentlich eine Illustration von längst vergessenen Zeitungsartikeln und seltenen Büchern und ich halte den Flohmarkt für eine absolute Fundgrube, zu der ich oft zurückkehre und sie erforsche…
Welche Comic-Zeichner*innen haben dich beeinflusst?
Definitiv Robert Crumb, als scharfer Kritiker der Gesellschaft und großes Cartoon-Talent. Ich glaube er ist der Letzte unter den großen Cartoon-Genies – wenn er diese Welt verlässt, wird unsere Kultur dieser Art von Menschen beraubt sein, vielleicht für immer. Ich lese auch gerne klassische amerikanische Comics, Autoren wie George Herriman, Winsor Mc Cay, Cliff Sterrett, Milt Gross und Vertreter einer etwas jüngeren Generation wie Basil Wolverton, Harvey Kurtzman… Es gibt viele großartige Comic-Autor*innen und ich habe durch ihre Werke etwas über das Zeichnen und das Leben gelernt.
Was ist das Spannendste an deinem Job?
Für mich persönlich ist es eine Freude in andere Teile der Welt reisen zu können – da ich in verschiedenen Ländern publiziere – und interessante Menschen zu treffen. Dank meiner Arbeit mit Comics kann ich alles kommentieren und kreativ mit der Welt um mich herum umgehen. Was will ein Mensch mehr?
Wordrap!
Die Vienna COMIX wird … uns neues kreative Engagement präsentieren!
Politiker sind einfach … unglaublich schlau (bah, ich scherze nur).
In Wien werde ich … meine Österreichischen Freunde treffen! Vielleicht besuche ich auch den Flohmarkt!
Wenn nicht Comic-Künstler dann … Archäologe, definitiv.
Es ist an der Zeit, dass … wir alle lernen, über uns selbst lachen zu können!
Robert Solanovic (Kroatien, Nancy Drew) ist das perfekte Beispiel für eine gelungene Comiczeichner*innen-Karriere eines kroatischen Zeichentalents. Wir haben den Stargast anlässlich der Vienna COMIX 2022 interviewt.
Hast du auch eine Zeichner-Ausbildung gemacht oder war es „learning by doing“?
In meinem Fall war es striktes „learning by doing „, mit mehr als ein wenig Hilfe von meinen älteren Kollegen Goran Sudžuka und Edvin Biuković. Die Ausbildung (eine Art davon) kam etwas später, als ich anfing das Lettering für beide zu machen. Du lernst unvermeidlich etwas, wenn du den ganzen Tag auf die Seiten eines anderen starrst.
Findet man in der kroatischen Comic-Szene als junge/r Zeichner*in genug Kontakte, Anlaufstellen oder Unterstützung, wenn man Comic zeichnen zu seinem Beruf machen will?
Das Tolle an unserer Comic-Szene ist, dass es immer ein paar Profis gibt, die bereit sind, jüngeren Künstler*innen zu helfen. Mit Ratschlägen, aber auch indem sie ihnen Aufträge überlassen, die sie nicht machen wollen oder gerade nicht unbedingt brauchen. Ich hatte diese Art von Unterstützung und ich helfe auch gern anderen. In gewisser Weise ist das eine heilige Pflicht.
Wie hat sich aus deiner Sicht, die kroatische oder auch weiter gesehen, die Ex-Jugoslawische Comic-Szene in den letzten 20 Jahren entwickelt?
Nun, was geschah nach der Trennung, serbische Comiczeichner*innen arbeiteten hauptsächlich für französische Verlage und kroatische für den US-Markt. In unserem Fall ist alles der Serie Grendel Tales von Edvin Biuković und Darko Macan zu verdanken, die der Verlag Dark Horse in den USA veröffentlicht hat. In gewisser Weise ist es für unsere Künstler*innen selbstverständlich, sich also für diesen Markt zu interessieren. Natürlich gibt es Ausnahmen. Aber es gibt einige lokale Verlage in der ganzen Region, die bereit sind, verschiedenstes Material zu veröffentlichen. Sie können nur wenig bis gar nicht bezahlen, aber es ist ein Anfang. Als ich Mitte der 1990er begann, hatten wir nur Fanzines, es war so schlimm. Für mich war das Beste, was passieren konnte, dass unser Kulturministerium anfing Stipendien und Förderungen für Comic-Projekte (ich werde den Begriff „Graphic Novel“ nicht verwenden, er ist zu snobistisch) zu vergeben. Es ist nicht viel, aber es ist trotzdem Geld, und es kann Künstler*innen helfen, zumindest etwas Sinnvolles zu veröffentlichen. Auf der anderen Seite sind Comics immer noch sehr am Rande, besonders inländische Comics. Wir haben viele Verlage, was großartig ist, aber die meisten von ihnen können es sich nicht leisten, einen angemessenen Preis für ein exklusives Comic-Buch zu zahlen. Vielleicht passiert das aber mit der Zeit, wer weiß.
Welche kroatischen Comics würdest du empfehlen, wenn man die Szene kennen lernen will?
Auf jeden Fall die, die ich zuvor erwähnt habe – Grendel Tales von Eddy & Macan. Goran Sudžuka hat kürzlich seine erste (von hoffentlich vielen) Zusammenarbeit mit Garth Ennis an einem Comic mit dem Titel „A Walk Trough Hell“ beendet und man kann mit nichts, was von Goran Parlov gezeichnet wurde, wirklich etwas falsch machen (auch wenn das Nicht-Ennis-Zeug ein wenig schwerer zu schlucken ist). Vergessen wir nicht den unaufhaltsamen Igor Kordey (wenn Sie natürlich Französisch lesen (Anm: Marshal Bass erscheint gerade auf Deutsch beim Splitter Velag) – aber es gibt viele seiner früheren Sachen auf Deutsch und Englisch, die von Marvel und so veröffentlicht wurden). Im Laufe der Jahre wurden hier viele großartige Dinge veröffentlicht, die wahrscheinlich nie in andere Sprachen übersetzt werden – von klassischer Zeitungs-Comic-Kunst bis hin zu zutiefst persönlichen oder einfach nur unglaublich lustigen Dingen -, aber so ist das Leben, denke ich. Und es gibt eine neue Generation aufstrebender Künstler*innen, die noch nicht mal in ihren Dreißigern sind und in den USA veröffentlicht werden, wie Fran Strukan und Matej Stić. Ich bin sicher, dass es noch viele andere geben wird.
Welche Comics aus Kroatien (bzw. Ex-Jugoslawien) sollten definitiv im übrigen Europa und im Ausland veröffentlicht werden?
Meine, natürlich!
Zeichnest du täglich, auch wenn du keine Auftragsarbeit hast, so wie Sportler ihre Trainingseinheiten abwickeln um in Form zu bleiben?
Ja und nein. Es gibt Zeiten, in denen ich es tue, zum Beispiel damals, als einige von uns dieses Studio gemeinsam gemietet hatten. Diese Art von Atmosphäre ist sehr kreativ und auf eine gute Weise wettbewerbsfördernd, also habe ich mich in Form gehalten. In letzter Zeit nicht so sehr. Ich habe eine Art Tagesjob, bei dem ich Comics für unseren Verlag Nummer eins (Fibra) übersetze. Das nimmt einige Zeit in Anspruch, aber ich versuche, alle paar Tage oder so, etwas nebenbei zu tun. Normalerweise ein Pin-Up meiner Lieblings-Comicfigur, so was halt.
Was machst du am liebsten, wenn du nicht arbeiten musst?
Im Moment – Red Dead Redemption 2 spielen. Oder einfach nur Filme oder Fernsehserien ansehen. Ich analysiere sie, genieße sie … Solche Sachen. Ich hole mir viel Inspiration von all diesen Dingen. Ich lese natürlich viel. Sogar Bücher! Historische!
Zeichnest du lieber auf Papier oder am Computer?
Es würde mir nichts ausmachen, digital zu zeichnen, wenn ich mir so ein gutes Cintiq-Tablet oder iPad leisten könnte. Aber so mache ich die meisten Sachen von Hand. Ich mag es jedoch, meine Inks digital nachzubessern, es gibt mir viel Freiheit und Raum, um mit Schwarz zu experimentieren. Ich bin kein orthodoxer Traditionalist oder Gung-Ho-Modernist. Wenn es funktioniert – benutze es. Das ist mein Motto.
Du hast „Nancy Drew & the Hardy Boys: The Mystery of the Missing Adults“ gezeichnet, bitte erzähle um was es in dem Comic geht?
Es ist einer der vielen Neustarts von zwei alten US-Franchise-Unternehmen aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg. Sowohl Nancy Drew, als auch Hardy Boys wurden von derselben Person geschrieben, es sind Kinderdetektive. Unsere Version ist eine alberne, modernisierte Version, ähnlich den Cartoons, die Kinder heute sehen – Dinge wie Adventure Time oder The Regular Show. Es hat diese Art von Humor, denke ich. Kurz vor der großen Wissenschafts-Messe sind alle Erwachsenen aus Bayport verschwunden, sodass unsere Helden zuerst ihre neu gefundene Freiheit genießen und dann nach ihren Eltern suchen, sobald sie herausfinden, dass sie mit Boritos und Chilisauce nicht überleben können. Es ist ein amüsantes Toben für alle Altersgruppen, das ich sehr gerne gezeichnet habe.
Wie bist du zu diesem Job gekommen?
Ich wollte unbedingt einen Auftrag für einen US-Verlag, aber an keiner Front passierte etwas. Deshalb bat ich Goran Sudžuka, mein Portfolio an seinen ehemaligen Herausgeber von Wonder Woman, Matt Idelson, zu senden, der jetzt bei Dynamite Entertainment arbeitet. Natürlich passierte lange Zeit nichts und in der Zwischenzeit widmete ich mich der Produktion meiner eigenen Comics, von denen ich eines zusammen mit Goran co-veröffentlichte (obwohl es sein Geld war, also weiß ich nicht wofür zum Teufel „co“ steht) und ich war in einer Art Zen-Modus was die ganze Sache mit dem Job in den USA betraf. Und genau zu diesem Zeitpunkt hat mich Idelson wegen dieses Projekts kontaktiert.
Gibt es Comics oder Figuren die du gerne zeichnen würdest und warum?
Ich habe immer davon geträumt, all die Superheld*innen zu zeichnen, mit denen ich aufgewachsen bin. Aber diese ganze Szene dreht mir jetzt ehrlich gesagt den Magen um, mit all den wöchentlichen Events und allem. Es geht einfach nirgendwo hin. Sicher, es wäre großartig, Batman zu zeichnen und viel Geld zu verdienen, verehrt zu werden, vielleicht auch Lizenzgebühren zu bekommen, aber ich mag ihn nicht mehr. Ich mag nicht, was sie aus ihm gemacht haben, nachdem Morrison die Story verlassen hat. Ich bin es leid zu sehen, wie all diese Figuren Jahr für Jahr durch den selben Fleischwolf gedreht werden. Daredevil zum Beispiel. Ich meine, wie lange kannst du einen Kerl unglücklich machen?
Es gibt einen Charakter, den ich gerne machen würde. Napoleone. Es ist ein seltsamer, jung‘scher Krimi, der in den späten 90ern und frühen 00ern vom italienischen Verlagshaus Bonelli veröffentlicht wurde. Ich habe ihn kürzlich entdeckt und ich verehre ihn einfach: Ich würde alles geben, um mit seinem Autor Carlo Ambrosini zusammenzuarbeiten. Das wird natürlich nie passieren.
Es wäre jedoch auch großartig, etwas für Valiant zu tun. Ich mag ihre Charaktere. Sie kümmern sich um ihre Charaktere. Ich respektiere das. Bloodshot, Ninjak, verdammt, ich würde mir sogar den Arsch aufreißen, um die Rüstung des X-O Manowar richtig zu machen! Ich liebe diese Serie übrigens.
Ich habe Jonah Hex kürzlich wiederentdeckt. Ich würde ihn gerne zeichnen. Oder Aquaman. Diese alte Schule, Silver Age, Aquaman mit perfekter blonder Mähne. Ich weiß nicht genau, es gibt echt viele Sachen. Aber ich denke, ich bleibe besser bei meinen eigenen Sachen und das war’s, kanalisiere all diese Wünsche und Sehnsüchte in meine eigene Arbeit, so wie zuvor.
Was zeichnest du gar nicht gerne (Menschen, Tiere, Autos, Bäume, …)?
Fahrräder, ich hasse diese Dinger.
Und was könntest du den ganzen Tag zeichnen ohne, dass es dich nervt?
Meine eigenen Comics, zu meinen eigenen Bedingungen, mit minimalem Hintergrund, viel ernstem Drama, Action und Tod.
Bist du gerne nur Zeichner oder mischt du dich auch gerne (auch ungefragt) in die Storys ein? ;0)
Als ich anfing, wollte ich nur Zeichner werden. Aber es war unmöglich, da mein Stil kein Realismus ist oder was auch immer in Comics als Realismus gilt. Während ich meine eigenen Comics und Charaktere erstellen musste, wurde ich versehentlich zum Autor, weil ich kein weniger snobistisches Wort hatte. Es kommt wirklich darauf an, mit wem du arbeitest. Als ich mit Darko Macan arbeitete, war ich jünger als er und weniger erfahren. Ich neigte dazu, das zu zeichnen, was verlangt wurde. Und die Geschichten waren sowieso großartig, also musste ich einfach nur mein Bestes geben. Ich wollte mich in den Prozess des Schreibens von Nancy Drew einmischen, wusste aber nicht wirklich wie. Es war mein erster und bislang einziger Auftritt für den US-Markt und ich wollte nicht als dieser Einmischer-Typ rüberkommen. Es ist alles ein Balanceakt, denke ich. Aber ich habe mir gesagt, beim nächsten Mal – da misch ich mit. Nur scheint es nicht das nächste Mal zu geben. Naja…
Hast du schon mal einen Job abgelehnt?
Oh, ich habe in meinen zweiundzwanzig Berufsjahren viele Jobs abgelehnt. Meistens Illustrations- und Storyboard-Jobs. Aber es gab auch ein oder zwei Comics, die ich abgelehnt habe.
Was ist das spannendste an deinem Job?
Die Tage, an denen du „In the Zone“ bist. Wenn du ein Panel fertig bekommst, von dem du dachtest, du kannst es nicht. Das ist, wenn du diesen Adrenalinstoß bekommst. Von zu Hause aus arbeiten. Um 15 Uhr nachmittags aufstehen, bis spät in der Nacht arbeiten. Oder noch besser, mit deinen Freunden in einem Studio arbeiten! Du sprichst mit deinen Freunden über Comics, analysierst sie, entdeckst neue Dinge … du fühlst dich als Teil von etwas Größerem. Mit Leuten wie Alberto Breccia oder Leiji Matsumoto verbunden zu sein, weißt du? Es ist eine schöne Sache, diese Comic-Welt. Das Geschäft ist hässlich, aber das ist eine andere Sache.
Was denkst du über Mangas?
Ich liebe es! Japanische Erzähltechniken waren für mich eine ziemliche Entdeckung. Manga hat mich sehr beeinflusst. Ich weiß, es ist wahrscheinlich nicht sofort sichtbar, aber es ist da, glaube mir. Ich liebe Manga-Ästhetik. Die stilisierten Charaktere gegen die fotorealistischen Hintergründe, die Verwendung von negativem Raum, die Verwendung von stillen Panels, die Verwendung von nur „…“ in Sprechblasen … Sie haben so viele hervorragende Autor*innen! Und ihre Produktionsleistung ist einfach unglaublich, selbst mit dem gesamten Studio/Assistenten-System. Ich liebe alles von Osamu Tezuka, Golgo 13, Lone Wolf & Cub bis GTO, Planetes, Pluto, Worst, EDEN – Es ist eine endlose Welt … Das einzige Problem ist, dass Franzosen, Deutsche, Italiener, alle mehr Manga veröffentlichen als die englischsprachigen Verlage und sie haben auch eine bessere Auswahl.
Auf deiner Facebook-Seite stellst du immer wieder Musik-Videos, welchen Bezug hast du zu Musik?
Oh, also achtet jemand tatsächlich darauf?
Erstens kann ich ohne Musik nicht arbeiten. Ich bin nicht einer dieser Comiczeichner, die mit ihrem Fernseher arbeiten. Ich hasse es. Ich habe Musik immer geliebt, seit ich ein Kind war. Mein Vater hat sich damals für Musik interessiert, also habe ich das irgendwie von ihm übernommen. Auch Comics. Was gibt es Schöneres, als neue Sachen zu entdecken oder die bereits gehörten Sachen zu genießen, und dabei Comics zu zeichnen? Normalerweise poste ich Zeug, wenn ich von einem Song oder so etwas überwältigt werde. Jaja, es ist so ein 2010er Jahre-Ding, aber ich kann nichts dagegen tun. Und normalerweise ist es mir ein Anliegen, etwas zu hören, was andere Leute posten. Wenn es nicht zu neu ist, natürlich. Es gibt eine Menge neuer, möchtegern-cooler, überheblicher Musik, die ich nicht ausstehen kann. Manchmal wundere ich mich über den Mist, den manche Leute hören und sie verstehen sich als Menschen, die voll Bescheid wissen. Viel prätentiöser Mist. Sie sollten mich fragen, was sie hören sollen. Ich weiß es am besten.
Warst du schon mal in Österreich?
Ein paar Mal, aber das waren wirklich kurze Besuche. Dies wird der erste richtige sein und ich freue mich sehr darauf!
Was sind deine Schlussfolgerungen aus den letzten beiden Jahren?
Es gibt da so etwas – nennt sich Muskelatrophie
Wordrap!
Die Vienna COMIX wird … verdammt FANTASTISCH!!!
S/W oder Farb-Comics … S/W immer. Ich bin mit den besten europäischen und südamerikanischen S/W-Kunstwerken aufgewachsen.
Superhelden-Filme sind … nicht so gut, wie sie sein könnten (außer Ang Lees Hulk und vielleicht Singers X-Men)
Comic-Sammler*innen … stehen viel zu sehr auf langweiliges Mainstreamzeug. Es gibt mehr großartige Sachen als nur Batman
Während der Anreise zu Comic-Veranstaltungen … mag ich es zu phantasieren, wie sehr ich angebetet werden könnte
Mein Lieblings-Musikinstrument ist … die Stimme
Am besten zeichne ich, wenn … ich nicht muss
Wein oder Bier … Beides, aber nicht gleichzeitig. Ehrlich gesagt bevorzuge ich Whisky
Berge oder Meer … defintiv Meer, aber Berge sind auch cool
Die EuroCature bringt Karikaturist*innen aus der ganzen Welt in der Schellinggasse 13 zusammen. Im Vorfeld können wir schon auf der Vienna COMIX heimische Spitzen-Zeichner*innen als Gäste begrüßen. Wir haben Birgit Vlk und Gregor Pirker aka GREX anlässlich der Vienna COMIX 2022 über das Festival und ihre Profession befragt.
Die EuroCature ist ein Treffen mit Workshops und Vorträgen für Profi-Zeichner*innen oder wie würdet ihr sie beschreiben?
Birgit: Ich nenne es gern das Woodstock für Zeichner*innen. Fünf Tage und Nächte wird gezeichnet, gemalt und modelliert, gelernt, gelacht, gefeiert. Heimgegangen wird nur zum Schlafen und Duschen.
Welche Möglichkeiten haben Fans, von dieser Ballung an fantastischen Zeichner*innen in Wien zu profitieren, gibt es auch „meet and greet“-Termine?
Birgit: JA! Wir präsentieren unsere Arbeiten am letzten Abend in einer Ausstellung (15.05.2022). Dabei werden wir auch LIVE zeichnen. Freie Spenden dafür kommen einem guten Zweck zugute.
Wie lange darf man für eine Live-Zeichnung erfahrungsgemäß brauchen, bevor die Kund*innen ungeduldig werden?
Birgit: Manche Modelle rutschen ab der ersten Sekunde auf dem Sessel herum, weil sie sich unwohl fühlen. Manche trauen sich fast nicht zu atmen. Andere genießen die Aufmerksamkeit. Da gibt es keine Regel. Aber ich bemühe mich, in drei bis fünf Minuten fertig zu sein. Drei Minuten für rasierten Glatzkopf, fünf Minuten für bärtigen Lockenkopf mit Brille.
Können die Gezeichneten während des Zeichnens zuschauen oder ist das ein ungeschriebenes Gesetz, dass sie erst das Endergebnis sehen dürfen?
Birgit: Ergebnis gibt es erst NACH Fertigstellung! Bei Auftritten mit digitaler Ausrüstung gibt es oft verrenkte Hälse, wenn wir den Zeichenprozess auf
eine Leinwand übertragen und diese im Blickwinkel des Modells steht. Drum: immer gut auf die Platzierung der Leinwand achten! Sonst wird das Modell zum Zappelphilipp.
Wie habt ihr zeichnen gelernt?
GREX: Wie die meisten Kinder habe ich sehr gerne gezeichnet. Von irgendwelchen Bekannten habe ich dann eine Kiste mit alten Comics geschenkt bekommen und seitdem hab ich nicht mehr damit aufgehört.
Birgit: Ich bin eigentlich über die Porträtmalerei zum Karikaturzeichnen gekommen. Für mich war einfach nicht zu verstehen, wie ich den Kopf einer Person, die vor mir steht, auf einem Blatt Papier in 2D wiedergeben kann. Nachdem ich dieses Rätsel gelöst hatte, hat sich das Interesse zur Karikatur gewendet.
Wie stressig sind Live-Karikaturen?
Birgit: Sehr. Es ist der beste Beruf der Welt, aber auch sehr fordernd. Du hast nur drei bis fünf Minuten, um dein Gegenüber auf den Punkt bzw. Strich zu bringen und wenn du dieses hohe Maß an Konzentration über mehrere Stunden durchhältst, bist du danach ziemlich groggy.
Zeichnet ihr auch Comics?
GREX: Wir zeichnen alles!
Gibt es auch Tierkarikaturist*innen? Haustiere werden ja immer beliebter!
GREX: Soweit ich weiß gibt’s tatsächlich Künstler*innen, die sehr viele Haustiere zeichnen. Ich hab Haustiere bisher nur als Teil eines Gruppenbildes karikiert.
Testet ihr euch manchmal selber und macht Selbstportraits?
GREX: Selten aber doch. Zum Spaß aber auch zur Präsentation auf der Website, Visitenkarte, … außerdem ist Selbstironie immer gut.
Karikiert ihr manchmal heimlich Menschen die ihr zufällig seht, weil euch deren äußere Merkmale reizen?
GREX: Ja, das kommt vor. Manchmal ist das erst im Nachhinein aus dem Gedächtnis möglich, aber man kann eine Idee bzw. eine Inspiration festhalten.
Zeichnen sich die Teilnehmer*innen eigentlich auch, so zwischendurch, gegenseitig?
Birgit: Einer der Wettbewerbe während der EuroCature heißt „Party Style Caricature“. Dabei werden wir uns gegenseitig zeichnen. Das ist vor allem für die Künstler*innen, die noch nie LIVE gezeichnet haben, sehr spannend und fordernd. Für die LIVE Zeichner*innen unter uns ist der direkte Vergleich
mit den Kolleg*innen interessant und mitunter sehr inspirierend.
Habt ihr Stammkund*innen, die z.B. jedes Jahr ein neues Bild von euch/sich wollen?
Birgit: Bisher noch nicht. Willst du der Erste sein?
Ist es in Österreich möglich, mit Karikaturen regelmäßig Geld zu verdienen?Für mich ist es immer noch unverständlich, warum z.B. das Profil, nach dem Tod von Manfred Deix, die Karikatur-Seite aufgelassen hat!
Birgit: Ein Kollege sagt immer: Wir (Karikaturist*innen) sind eine Splittergruppe in der Randgruppe (Illustrator*innen). Aber wir werden gerne beauftragt, die Hochzeitsgäste während der Agape zu unterhalten oder werden als Highlight für Firmenfeiern gebucht. Anfragen zu Studioaufträgen nach Fotos bekommen wir auch immer wieder. Wir freuen uns schon auf unseren Auftritt bei der Vienna COMIX. Vielleicht gewinnen wir ein paar neue Kund*innen.
Gibt es gravierende, grundsätzliche Unterschiede im Karikatur Stil mancher Länder/Kontinente?
Birgit: Oh ja. Wir Mitteleuropäer zeichnen unsere Karikaturen nah am Porträt und auch überwiegend freundlich schmeichelnd. Der vorherrschende Stil in Japan ist comichaft. Die wildesten Übertreibungen kommen aus den USA. Natürlich hat auch jeder der großen, einflussreichen Karikaturisten – wie Jan Op De Beeck – eine Jüngerschaft, die seinen Stil nachahmt. Was uns wieder zur EuroCature bringt, wo sich Stile von West bis Ost treffen. Und das Gute: jeder kann sich unsere Werke in der anschließenden Ausstellung selber ansehen!
Und was sind eure Schlussfolgerungen aus den letzten beiden Jahren?
GREX: Die letzten beiden Jahre waren sehr schwierig. Zuerst wurden viele potentielle oder bereits fixierte Zeichen-Auftritte abgesagt. Und nach wie vor werden viele Veranstaltungen abgesagt oder verschoben. Daher versuche ich einerseits mich breit genug aufzustellen: Ich biete neben Live-Karikaturen auf Events auch Illustrationen, Cartoons, Character Designs und Karikaturen von Fotos an. Andererseits glaube ich, dass es jetzt noch wichtiger ist als eh schon immer, nicht den Humor und die Zuversicht zu verlieren. Die Karikatur-Comunity ist für mich ein besonders positives Beispiel für Zusammenhalt und Solidarität, wie es in vielen anderen Bereichen auch sein sollte. Das wird gerade erst durch Veranstaltungen wie der Eurocature möglich. Auch dafür bin ich dem Organisationsteam sehr dankbar!
Der Comickünstler Dave Lung ist ein alter Bekannter der Indie-Comic-Szene und hat im Auftrag für viele große Verlage wie Marvel, DC Comics und einige mehr gearbeitet. Gezeichnet hat er unter anderem Batman, Silver Surfer und die Dark Reign-Saga.
Dave Lung, Comic zeichnen, wie man es sich vorstellt: mit Tuschestift und immer noch viel Freude am Job!Wir haben den Stargast Dave Lung anlässlich der Vienna COMIX 2022 interviewt.
Was hat dich nach Österreich gebracht?
Ich bin kurz nach der Heirat mit meiner damaligen Frau, im März 2013 nach Österreich gezogen. Mein Vater und seine Familie stammen aus Tirol, daher habe ich hier Wurzeln. Wir fanden, dass Österreich eine bessere Lebensweise für Frischvermählte bietet als Südafrika. Ich liebe die Menschen, das Land, die Kultur und Österreich ist viel stressfreier, vor allem im ländlichen Vorarlberg, wo ich seit einigen Jahren lebe.
Wie waren die letzten beiden Jahre für dich?
Die letzten zwei Jahre waren herausfordernd. Ich bin es gewohnt, etwas isoliert zu sein, aus meiner Vergangenheit als Freiberufler. Gar nicht rauszukommen und auf die Straße gehen zu können um etwa eine Comic Con zu machen, war aber verdammt hart und forderte seinen Tribut. Ich liebe es mit anderen Künstler*innen, Fans und Besucher*innen in Kontakt zu treten, zu plaudern, Geschichten auszutauschen und ein paar Biere zu trinken! Andererseits war diese Zeit auch eine meiner kreativsten. Ich habe ziemlich viel geschrieben und gezeichnet, mich auf meine eigenen Stärken konzentriert, verließ meine Komfortzone, experimentierte mit verschiedenen Ideen, verschiedenen Techniken und Medien und erkundete verschiedene künstlerische Wege, verschiedene Arten von Farben, Markern oder Drucktechniken bis hin zu kurzen experimentellen Animationsvideos. Ich wollte nicht statisch bleiben, wollte das Beste aus dem Lockdown machen und so viel wie möglich lernen und wachsen.
Hast du auch eine Ausbildung gemacht oder war es „learning by doing“?
Ich habe Bildende Kunst studiert und meinen Abschluss in Kunst und Grafikdesign an der Universität gemacht. Schon in frühen Teenagerjahren habe mich ernsthaft mit Illustration beschäftigt und wusste immer, dass ich Kunst, insbesondere Comic-Kunst machen wollte, um meinen Lebensunterhalt zu verdienen, auf die eine oder andere Weise.
Wie lange bist du schon Profi-Zeichner?
Ich arbeite seit 1997 als professioneller Designer, Illustrator und Künstler. Mein erstes veröffentlichtes Comic-Kunstwerk entstand 2001, als ich für DC Comics eine lizenzierte Arbeit an einem kurzen, 6-seitigen Batman-Stück für ein „official Fan and Activity“-Magazin in Südafrika machte. Ich habe ungefähr zwei Jahre lang verschiedene andere kurze Arbeiten und One-Shots (abgeschlossene Geschichten), Pinups und Poster für dieses Magazin gemacht und dabei mein Portfolio ständig erweitert. Kurz nachdem das Magazin eingestellt wurde, fing ich an, inking-jobs (Bleistiftzeichnungen mit Tusche ausgezeichnet) anzunehmen, wo immer ich sie finden konnte und für jede Firma, die mich haben wollte. Und der Rest ist, wie man sagt, Geschichte.
Zeichnest du, neben dem beruflichen Zeichnen, auch manchmal einfach drauf los? Nur um mal ungebändigt machen zu können, was dir gefällt, zum Auslockern?
Ich zeichne oder kritzle immer. Manchmal bekommen meine Aufwärmstücke ein Eigenleben und aus schnellen Skizzen werden fertige Tusche- oder gemalte Werke.
Du bist ja dafür bekannt, dass du ein echter „Old School“ Zeichner bist. Zeichnest du trotzdem auch manchmal digital oder gibt es Arbeitsschritte die du am Computer machst?
Ich zeichne nur “Old School“, ich liebe es, Federn, Pinsel und Stifte zu verwenden, es gibt nur diese Textur, die digital noch nicht ganz nachgebildet werden kann. Aber wenn es um Layouts und das Entwerfen von Covern oder Aufträgen geht, bewege ich mich zunehmend digital. Ich verwende viele Fotoreferenzen, daher finde ich es viel einfacher, Layouts und „Bleistifte“ digital zu erstellen. Ich drucke dann die Bluelines aus und tusche und male das Stück traditionell.
Man kennt von dir eher Superhelden oder Horror/Fantasie Zeichnungen, wenn sich jemand ein „Little Pony“ wünscht, machst du das auch? Mit welchen Auftrags-Wünschen kann man sich an dich wenden?
Oh Mann, My Little Pony… Nein, das bin ich nicht, bei allem Respekt, das gebe ich weiter. Ich zeichne so ziemlich alles, was die Popkultur hergibt, aber nur, wenn es zu meinem Stil oder meinen Interessen passt. Es muss mich begeistern und meine Kreativität anregen. Etwas, in das ich mich verbeißen kann, hat dann meine ungeteilte Aufmerksamkeit. Dinge wie Manga, Anime und dergleichen, die ich zwar gerne lese oder ansehe, würde ich nicht unbedingt gerne zeichnen, weil es einfach nicht zu meinem Stil passt. Normalerweise lehne ich solche Jobs höflich ab. Ich möchte den Kunden nicht täuschen, ihm nichts geben, in das ich nicht Herzblut investiert und es nur wegen des Geldes getan habe.
Dalibor Talajić, (FB-Seite) ein Berserker, fast wie eine seiner bekanntesten Figuren die er schon gezeichnet hat (Deadpool) und er ist auch im Team des neu gegründeten US-Verlages AWA, der Spitzenzeichner*innen mehr künstlerische Freiheit bietet als andere große Verlage.
Wir haben den Stargast Dalibor Talajić anlässlich der Vienna COMIX 2022 interviewt.
Was ist deine erste Erinnerung im Zusammenhang mit Comics?
Spider – Man! Aber es gab damals kein übersetztes Spider-Man-Comic. Der Vater eines Freundes hat eines von einer Geschäftsreise in Italien mitgebracht. Das Comic hieß L’Uomo Ragno. Lange dachte ich, das sei sein Name. Als ich dann erfuhr, dass sein ursprünglicher Name Spider-Man war, klang das lahm. Ich verstehe immer noch nicht ganz, wie die Italiener es geschafft haben, seinen Namen zu übersetzen. Es sollte doch eine Marke sein?
In Jugoslawien gab es ja schon eine große Comic-Tradition, hast du als Kind einen Unterschied erkannt zwischen heimischen Comic-Produktionen und internationalen Comic-Heften?
Nun … thematisch ja. Es gab Comics aus dem Zweiten Weltkrieg, historische Comics, Adaptionen aus der klassischen kroatischen Literatur und es gab Teenager-Comics mit sozialen Themen. Während der New Wave-Zeit erschüttert NOVI KVADRAT (New Square) die Szene mit ihrer Vision des Mediums Comic. Sie waren progressiv und experimentell. Es war eine seltsame Zeit. Comics wurden offiziell nicht als wertvoll anerkannt (Novi Kvadrat änderte dies), aber sie waren unvermeidlich und sollten bestimmte soziale Werte fördern.
Wie kam es, dass du eigentlich den Weg zum Berufsmusiker eingeschlagen hast?
Meine Mutter war Ljiljana Molnar – Talajić, eine berühmte Opernsängerin, sie hat tatsächlich ziemlich oft an der Staatsoper in Wien gesungen. Ich war ein Kind mit wirklich gutem Gehör, sie sah mich als großartigen Musiker und darüber gab es keine Diskussion.
Hast du nebenbei immer auch gezeichnet?
Ja. Immer. Deshalb war es wirklich ungerechtfertigt, mich zur Musik zu zwingen. Aber so war es – mein Leben wurde zur echten Comic-Geschichte – Musiker bei Tag, Comiczeichner bei Nacht. Und Comic war die einzige Art von Zeichnung, die mich je interessierte! Ich habe immer gezeichnet, ja, aber es waren immer Comics. In meinem Fall war es wirklich eine Berufung.
Hast du je Comics über Musiker gezeichnet?
Einmal habe ich einen Comic über Musik gezeichnet und geschrieben. Nikola Šubić Zrinski, der berühmte kroatische Krieger, als Thema für eine Comic-Serie über große historische Menschen unserer Nation. Der Auftrag kam jedoch am selben Morgen, als meine Mutter starb. Der Comic erzählt durch die Augen eines kleinen Jungen bei seinem ersten Opernbesuch, während einer Produktion über Zrinski. Es war also ein Geschichtsstück, aber es ging auch um mich, um meine Mutter und um Musik im Allgemeinen.
Was hat dir am meisten geholfen ein guter Zeichner zu werden – außer, viel zu zeichnen?
Kritik! Viel davon! Sehr harte Kritik. Ich sollte niemals gut sein. Aber es hat mich nie entmutigt, es hat mich wütend gemacht und nur meinen Ehrgeiz und mein Engagement angeheizt.
Als Musiker kann man sich mit Kolleg*innen treffen und zusammen improvisieren, eine Jam-Session machen, gibt es das mit anderen Zeichner*innen auch?
Oh Gott nein! Dafür sollte man fast täglich üben. Ich habe eine berufliche Laufbahn und bin Vater von zwei Kindern. Ich habe einfach keine Zeit. Manchmal bereue ich es, meine Klarinette vernachlässigt zu haben, aber… na ja… der Tag hat nur 24 Stunden.
Zeichnest du lieber auf Papier oder am Computer?
Papier! Immer! Ich benutze den Computer nur für Korrekturen an vorhandenen Grafiken. Ich weiß nicht genau, warum; auf diese Weise ist es persönlicher. Zumindest für mich. Und um ehrlich zu sein – ich war nie ein Computermensch. Videospiele, Spiele im Allgemeinen … das ging alles an mir vorbei.
Was machst du am liebsten, wenn du nicht arbeiten musst?
Ich schreibe. Ich habe ein Buch geschrieben, zufällig. Ich schrieb an einem Tagebuch. Es stellte sich als ziemlich interessant heraus und wurde zu einem Buch, das in Kroatien ziemlich erfolgreich wurde, also schrieb ich weiter. Aber nicht wegen des Erfolgs, mir wurde klar, dass ich das Schreiben liebte und es mich am meisten entspannt.
Du hast sehr viel für Marvel gezeichnet, was ist das schönste am Arbeiten für einen großen Verlag und was das unangenehmste?
Um ehrlich zu sein gibt es wirklich nichts Unangenehmes. Der Verlag ist sehr gut organisiert und effektiv, wenn du dich professionell verhältst, stehen sie dir wirklich zur Verfügung. Das Beste ist die gebotene Plattform. Marvel ist der größte Verlag und hat das größte Publikum. Wenn du es ernst nimmst, kann dein Namen wirklich groß aufgebaut werden.
Wie ist es zur ersten Zusammenarbeit mit Marvel gekommen?
Ich war einfach nervig und habe viele Portfolios verschickt, sie überall herumgeschickt. Und es war immer neues Material. Schließlich antwortete Axel Alonso, er würde mich als Deadpool-Künstler sehen. Der Rest ist Geschichte, wie man so sagt …
Du hast ja mit „Deadpool Kills the Marvel Universe“ schon eine Menge Comic-Helden in einer Serie zusammengebracht. Wen würdest du gerne noch in einer Geschichte aufeinandertreffen lassen?
Ich würde gerne ein Thor-Comic machen. Eine klassische, epische, spektakuläre Thor-Geschichte: Mythen, fremde Welten, kosmische Aspekte … Ich würde gerne ein Conan-Comic machen. Ich liebe Fantasy und würde gerne Buscema / Alcalla, die mich geprägt haben, meinen Respekt zollen, … und ich würde immer nach Shang Chi zurückkehren. Als großer Bruce Lee-Fan war Shang Chi immer mein Favorit.
Jetzt gehörst du zum Team des neu gestarteten AWA-Verlages („Artists, Writers & Artisans“). Gibt es Unterschiede zu bisher gegründeten Verlagen?
AWA wurde von Bill Jemas und Axel Alonso gegründet. Axel und ich kennen uns lange, seit meinem Beginn bei Marvel. MARVEL bedient eine bestimmte Zielgruppe und schränkt damit seine Künstler ein. AWA kann wirklich tun, was zum Teufel es will. Und Axel war immer der Story-Typ, jetzt ist es an ihm, die Schriftsteller*innen frei und wirklich wild arbeiten zu lassen, ebenso die Künstler*innen. Zum Beispiel arbeite ich jetzt mit Jason Starr an einem unangekündigten Projekt, es ist ein Erotik-Thriller. Verrücktes Zeug! Nur eine Bedingung für Künstler*innen und Schriftsteller*innen: Gib dein Bestes!
Gibt es eine spezielle AWA Zielgruppe ?
Wie jeder ehrgeizige Verlag wollen sie so viele Leser*innen wie möglich ansprechen: Superhelden, Abenteuer, Horror, Drama, Verbrechen…. Alles ist in ihrem Programm. Ich würde sagen, PG-Alter und älter.
Dein erstes Comic für AWA ist „Hotell“. Wieviel willst du uns zum Inhalt verraten?
Es ist eine Anthologie, eine Miniserie mit vier Ausgaben. Jede Ausgabe ist eine in sich geschlossene Geschichte, jedoch kreuzen sich die Geschichten gelegentlich und kommen beim großen Finale zusammen. Es wurde hervorragend von John Lees geschrieben! Es sind eine Reihe von Geschichten über ein Hotel, das du eigentlich nicht finden kannst, denn es existiert nicht. Aber wenn die Zeit in deinem Leben kommt, wird das Hotel dich finden. Wenn es dich findet, wirst du mit Sicherheit einchecken, die Umstände werden dich zwingen. Aber um wieder auszuchecken … nun … das liegt an dem, was du in deiner Seele trägst…
Wie findet das Team zu einem AWA Comics zusammen. Bestimmen die Bosse, wer schreibt und wer zeichnet?
Sie bilden Teams. Axel ist einer der Redakteure, die die Künstler*innen besser kennen als sie sich selbst. Es war mehr als einmal, dass er mir einen Auftrag gab, von dem ich gar nichts hielt – und jedes Mal wurde ein karrierebestimmendes Projekt daraus.
Können sich junge Zeichner*innen einfach bei AWA bewerben oder ist es besser,wenn man wartet bis man „entdeckt“ wird, was ja heute durch das Internet leichter möglich ist.
Sie können sich jederzeit bewerben. Erst kürzlich gab es eine Show, in der Dulce Montoya, einer der Mitherausgeberinnen, Portfolios rezensierte.
Hast du selbst noch Zeit um Comics zu lesen, wirklich privat und aus reiner Neugier? Welche liest du gerne?
Ich lasse mich gern treiben und dabei etwas Interessantes entdecken, aber ich komme immer gerne zu meinen Lieblingstiteln zurück. Ich denke, ich lerne noch immer und möchte unbedingt den genialen Code knacken, den ich darin gesehen habe.
Was denkst du über die Superhelden-ComicVerfilmungen und glaubst du, bringen sie auch wieder mehr Menschen dazu Comics zu lesen?
Ich denke das tun sie. Während Marvel sich darüber beschwert, dass die Filme ihre Titel nicht so stark pushen, lenken sie die Aufmerksamkeit auf die Comics an sich. Ich meine, es gab nie mehr Verlage, selbstveröffentlichende Autoren oder Leute, die in der Branche arbeiteten. Es ist eine gute Zeit für Comics.
Was verbindest du mit Österreich? Gibt es etwas was dich hier besonders interessiert?
Ein paar Dinge. Die Staatsoper natürlich. Das Neujahrskonzert, das am 1. Januar jedes Jahres in der Wiener Philharmonie stattfindet. Der Prater! Und…. die Lippizaner!. Als mich meine Eltern als Kind nach Wien mitnahmen, gab es da eine Kette von Spielwarengeschäften und ich lebte ich für den Moment, wenn wir diese besuchten. Ich hoffe es gibt sie noch. Damals waren die wichtigsten Actionfiguren von BIG JIM. Ich frage mich, was heutzutage heiß ist …
Wordrap!
Die Vienna COMIX wird … das Ende der Welt!
Meer oder Berge … Meer
Wenn ich Deadpool wäre, dann würde ich … natürlich das Marveluniversum zerstören
Bester Klarinette-Spieler ever … Boki Milošević
Sport ist für mich … ich plane Sport zu treiben!
Auf ein Bierchen mit … dem Shang-Chi Regisseur Destin Daniel Cretton
Deadlines bei der Arbeit sind … meine besten Freunde
Goran Sudžuka – einer der Pioniere der kroatischen Superhelden-Zeichner*innen, die den US-Markt erobert haben. Mit Serien wie Wonderwoman oder Wolverine hat er sich unter den Besten etabliert und kann jetzt als Förderer der nächsten Generation kroatischer Zeichner*innen-Talente wirken.
Foto: Luigi Novi / Wikimedia Commons
Goran Sudžuka („Wolverine“) ist 1969 in Zagreb geboren und pendelt heute zwischen seiner alten Heimat und Berlin. Nach der Hochschule für Angewandte Kunst begann er 1988 seine Tätigkeit in einem Animationsstudio und veröffentlichte erste Comics und Illustrationen. Nach mehreren Veröffentlichungen in seiner Heimat war „Outlaw Nation“ mit Gorlan Parlow und Jamie Delano 1999 seine erste Arbeit für DC Vertigo, für die er als vielversprechendster Newcomer 2001 einen Eisner Award erhielt. Neben der vierteiligen Serie „Hellblazer Special: Lady Johanna Constantine“, geschrieben von Andy Diggle, war Sudzuka regelmäßig als Gastzeichner für Brian K. Vaughans und Pia Guerras hochgelobte Serie „Y – The Last Man“ tätig – fast ein Drittel aller Ausgaben entstammen seiner Feder.
Goran Sudzuka, „Wolverine“ (September 2013)
Wir haben den Stargast Goran Sudžuka anlässlich der Vienna COMIX 2022 interviewt.
Welchen Rat würdest du jungen Nachwuchstalenten geben, um ihr Können zu verbessern (neben „viel zeichnen“)?
Arbeitet hart und erwartet nicht, dass ihr es über Nacht schafft. Zeichnet Comics, keine Pin-Ups, geht zu Conventions, zeigt eure Arbeiten Redakteur*innen und professionellen Künstler*innen und nehmt deren Feedback ernst. Lasst euer Ego zu Hause.
Was hat dich zum Zeichnen animiert und wie alt warst du, als du bewusst angefangen hast zu zeichnen?
Von klein auf liebte ich es zu zeichnen, ich lernte lesen mit Comics und wollte schon immer ausschließlich Comics zeichnen.
Die Lieblingscomics deiner Kindheit und Jugend?
Es sind viele. Begonnen mit Disney Comics, dann die Kult-Serie Alan Ford und die Comics aus dem Haus Bonelli, über das breite Spektrum das damals in Jugoslawien veröffentlicht wurde, vom amerikanischen klassischen Comic und Superheldencomics bis zur franko-belgischen Schule und zu den spanischen Meistern. Von allen war mir aber Conan in meiner Kindheit der Allerliebste.
Hast du ein Vorbild unter den Zeichner*innen weltweit?
Ich würde jetzt nicht Vorbild sagen, aber es existieren viele Zeichner*innen, die ich bewundere. Jaime Hernandez, Goran Parlov, Cliff Chiang, Tonci Zonjic, Sean Phillips, Eduardo Risso… um nur ein paar zu nennen.
Was wirst du sagen, wenn eines deiner Kinder einmal sagt „Ich will Comiczeichner werden!“?
Just do it!
Was sind für dich die optimalen Zeichenbedingungen, bezogen auf Material, Umgebung etc.?
Zuhause, mit Radio, Kaffee und Zigarette.
Hast du Haustiere?
Ja, einen Hund und vier Katzen. Alle adoptiert.
Wenn du eine Disney-Figur zeichnen müsstest, welche am liebsten und warum?
Donald Duck, weil er der lustigste ist.
Wie ist es um die kroatische Comic-Szene bestellt?
Es gibt eine ziemlich starke Verlagsszene mit exzellenten Veröffentlichungen, aber leider kleinen Auflagen und hauptsächlich Übersetzungen ausländischer Comics. Der Markt ist einfach zu klein, als dass sich eine eigene Produktion auszahlen würde. Deshalb zeichnen Comiczeichner*innen für ausländische Verlage oder verbessern ihre Budgets mit Illustrationen und Storyboards für die Werbung.
Würdest du empfehlen Comiczeichner*in in Kroatien zu werden?
Ja, denn Dank des Internets kannst du in Kroatien leben und für Auftraggeber*innen auf der ganzen Welt arbeiten.
Mischt du dich gerne in die Story eines Comics ein oder bist du froh, wenn du dich rein auf das Zeichnen konzentrieren kannst?
Ich bin absolut zufrieden mit dem zeichnerischen Teil. Ich hatte das Glück, dass ich mit den herausragendsten Szenaristen arbeiten konnte bzw. arbeite, die ihre Arbeit absolut kennen und beherrschen. Wird ein Szenario nicht so glänzend, dann kann ich nicht viel tun.
Hast du eine Lieblingsfigur, die sich fast wie von selbst zeichnet?
Nicht wirklich. Meistens brauche ich mit jeder Figur einige Zeit, damit sie mir „von der Hand geht“ und erst dann kann ich sie mit Leichtigkeit zeichnen.
Hast du von allen Comics, bei denen du mitgearbeitet hast, ein Exemplar zu Hause?
Ich habe alle amerikanischen und kroatischen Veröffentlichungen meiner Comics und auch einige aus anderen Ländern.
Ist es für dich leicht auf Termine hinzuarbeiten?
Mal so, mal so. Manchmal ist es wirklich einfach, manchmal geht es nicht. Am meisten hängt es von der Qualität des Szenarios ab und auch von den Deadlines. Wenn diese drücken, kommt die Müdigkeit und dann funktionieren die einfachsten Formen und Panels nicht mehr.
Zeichnest du auch noch rein zum Spaß, also z. B. im Urlaub, die Umgebung oder deine Familie?
Bedauerlicherweise sehr selten.
Was sind deine Schlussfolgerungen aus den letzten beiden Jahren?
Nimm nie etwas als selbstverständlich – und genieße jeden Augenblick. Du weißt nie, wann alles auseinanderfallen kann.
Wordrap!
Die Vienna COMIX wird … rocken!
Österreichische Urlauber in Kroatien sind ... immer willkommen.
Mein Lieblingsfilm … Apocalypse Now
Meine Familie hat … viel Liebe und Tiere
Wenn nicht Comiczeichner, dann … Obdachloser 🙂
Schwimmenist für mich … hart.
In Wien werde ich … genießen.
Comics lese ich … weniger als ich sollte.
Den Klimawandel sicher stoppen könnte diese*r Comic-Held*in … Superman